Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen: Mittheilungen über Localbahnen insbesondere Schmalspurbahnen — Erster Jahrgang.1882

Seite: 9
Zitierlink: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-1-1882/0021
Lizenz: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
ÜBER SCHMALSPURBAHNEN FÜR PERSONEN- UND GÜTERVERKEHR.

9

III.
Ueber Schmalspurbahnen für Personen- und Güterverkehr.
Mittlieilungen über derartige Bahnen in North Wales, speeiell über die Festiniog Bahn.
Von Richard Koch.
Umladung der Güter und geringe Leistungsfähigkeit sind Vorwürfe,
welche so wiederholt gegen die Anwendung einer schmalen Spurweite für Eisenbahnen
ausgesprochen wurden und noch werden, dass die meisten Personen dieselben ohne
weitere Prüfung für berechtigt halten.
Dieser fast allgemein verbreiteten Ansicht entgegen zeigt eine nähere Unter-
suchung, dass beide Vorwürfe für localen Zwecken dienende Bahnen eine
nur sehr geringe Berechtigung haben.
Eine Localhahn soll vorzugsweise Localverkehr vermitteln und für diesen ist die
Spurweite gleichgültig.
Aber auch für den Uehergangsverkehr hat die Spurweitenfrage nicht die vielfach
angenommene Bedeutung, denn einmal tritt erfahrungsmässig eine Umladung der von
Hauptbahnen auf Nebenlinien übergehenden Güter in den meisten Fällen ohnehin und,
mit Ausnahme von Mineralien und Holz, sogar fast ausnahmslos ein, und zweitens
fallen die aus der Umladung erwachsenden Kosten im Allgemeinen weit niedriger
aus, als gemeinhin angenommen wird.
Den zweiten der beiden obigen Vorwürfe, die Leistungsfähigkeit einer schmal-
spurigen Bahn anbelangend, so fällt letztere sogar hei der schmälsten für Deutschland
angenommenen Spurweite von 0,75 m noch so bedeutend aus, dass die Rücksicht auf
sie kaum irgendwo die Verwerfung dieser Spurweite für eine localen Zwecken dienende
Bahn rechtfertigen dürfte.
Die Berechtigung dieser Behauptung glaubt der Schreiber dieses durch Schilderung
der Bau- und Betriebsverhältnisse der von ihm kürzlich besuchten Festiniog Bahn
beweisen zu können.
Die folgenden diesbezüglichen Mittlieilungen und Daten stützen sich sowohl auf
persönlich an Ort und Stelle gewonnene Anschauungen, als auch auf ein Werk des
französischen Ingenieurs M. E. Vignes, welches unter dem Titel „Etüde technique
sur le chemin de fer de Festiniog et quelques autres chemins de fer a voie etroite
de l’Angleterro“ im Jahre 1878 hei Dunod in Paris erschienen ist.
Die Festiniog Balm ist 23 km lang, eingleisig mit 0,597 m Spurweite und
führt von der kleinen Hafenstadt Port-Madoc in Wales nach den bedeutenden Schiefer-
brüchen bei Dinas und Duffws. Die Fortsetzung der Bahn von hier nach dem Orte
Festiniog mit gleicher Spurweite und von etwa 6 km Länge steht nicht unter der-
selben Verwaltung und ist unter dem Namen „Festiniog and Blaenau Bahn“ bekannt.
Die Festiniog Bahn wurde in den Jahren 1832 und 1833 zunächst als Pferdebahn
oder tramroad, wie die damalige Bezeichnung lautete, gebaut; die Einführung des
Maschinenbetriebes datirt vom Jahre 18G3.
Die Herstellungskosten der Festiniog Bahn sind sehr hoch, dieselben betrugen
Mittlieilungen über Localbalmen. 2
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Impressum   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list