Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen: Mittheilungen über Localbahnen insbesondere Schmalspurbahnen — Erster Jahrgang.1882

Seite: 26
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SCHMALSPUKBAHN-ANLAGEN ZU EESCHITZA.

Dank der Freundlichkeit der Herren General-Inspector Schwing, Ober-Ingenieur
Späth und Bau-Ingenieur Gärtner in Reschitza, denen ich Gelegenheit nehme,
hiermit nochmals meinen verbindlichsten Dank für die mir zu Tlieil gewordene liebens-
würdige Unterstützung meiner Bestrebungen zu sagen, ist es mir möglich die nach-,
stehenden ausführlichen Angaben über diese ausserordentlich interessante Anlage
mitzutheilen.
Die Schmalspurbahn-Anlagen des der k. k. priv. Oester. Staatsbahn-
Gesellschaft gehörigen Eisenwerkes Reschitza (Ungarn*).
Als im Jahre 1855 die k. k. priv. Oesterreichische Staatseisenhalm-Gesellschaft
ins Leben gerufen wurde, erwarb dieselbe in Ungarn (Banat) vom Staatsfiscus auch
einen grossartigen Ländercomplex von etwa 130,000 Hectars Fläche mit, der von
der Bahn getrennt als Domaine verwaltet wird und auf welchem Grundbesitz die
Gesellschaft die verschiedensten industriellen Anlagen theils mit übernommen, tlieils
neu ins Leben gerufen hat und selbstständig betreibt.
Das damals bereits im Betriebe befindliche Eisenwerk Reschitza am Fusse
der Karpathen, im nördlichen Theile des Banats, im Comitat Krassova gelegen,
hatte derzeit 3 Hochöfen, die mit Holzkohle geheizt wurden und ein Puddlingswerk,
in dem man Steinkohlen verwandte; die Brennmaterialien sowohl wie die Eisenerze
wurden in mehr oder minder grosser Nähe gewonnen und mussten auf Ochsenfuhr-
werken herbeigeschafft werden, mit welchen Fuhrwerken auch die fertigen Fabrikate
(schwere Stücke oft mit 30 bis 40 Ochsen) bis zu der ca. 57 km entfernten Station
Oravicza der Linie Temesvar-Bazias geschafft werden mussten.
Im Jahre 1871 wurden auf diese AVeise 10,000 tons gefahren und verursachten einen
Kostenaufwand von 7 fl. per tons durchschnittlich oder 12,3 Kreuzer per tons Kilom.
Durch die Einführung des Bessemer Verfahrens und sonstige Vergrösserung der
Anlagen sowie Ausdehnung der Fabrikation von Brücken und Maschinen wurden die
zu bewegenden Massen immer grösser, man entschloss sich eine Bahnverbindung
herzustellen und wählte als Anschlusspunkt an die Hauptbahn Temesvar-Bazias die
Station Vojtek, weil die meisten Fabrikate in der Richtung nacli Temesvar versandt
wurden **). '
Da das Terrain während der ersten 40 km von Vojtek ab gar keine Schwierig-
keiten bot, so wurde auf dieser Strecke bis zur Station Deutsch-Bogsan eine
normaJspurigeSecundärbahn mit leichterem Oberbau hergestellt; von Deutsch-
Bogsan ab, wo der Grundbesitz der Gesellschaft beginnt, wird das Terrain ungünstiger
und man ist gezwungen, auf der ca. 20 km. langen Strecke bis Reschitza dem Laufe
der durch Felsparthien eng begrenzten wilden Berzava zu folgen. Hier noch eine
normalspurige Bahn herzustellen, erschien nicht mehr zweckmässig und so enschloss
man sich, eine Schmalspurbahn mit 948 Millimeter (3 Wiener Fuss)
*) Anmerkung. Unter Benutzung der „Notice sur la Construction et l’Exploitation des
Chcmins de fer a voie etroite de la Societe autrichienne J. R. P. des chemins de fer de l’Etat
dans ses Domaincs du Banat pav G. Bresson.“
**) Anmerkung. Siehe Situationsplan Tafel I. II.
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