Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen: Mittheilungen über Localbahnen insbesondere Schmalspurbahnen — Erster Jahrgang.1882

Page: 40
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UBER UMLADE VORRICHTUNGEN.

Während Vorrichtungen zum Umladen von Kohle aus den Wagen der Haupt-
bahnen in Schiffe schon seit langer Zeit in Gebrauch sind, scheinen solche für die
Verladung von Kohle aus diesen Wagen in solche für schmale Spur nur vereinzelt
und in Deutschland bislang gar nicht oder doch nur in primitivster Weise zur An-
wendung gekommen zu sein.
Es bieten sich dem Constructeur nach letzterer Richtung verschiedene Wege dar.
Am einfachsten wird die Umladung bewirkt, indem man den kleineren Wagen
auf ein so weit überhöhtes Gleise neben den Wagen der Hauptbahn schiebt, dass die
Bodenflächen beider Fahrzeuge in derselben Ebene liegen. Werden die beiden Wagen
bei geöffneten Thiiren durch eine kleine Brücke mit einander verbunden, so kann über
diese die Umladung von nicht zu schweren Fässern, Kisten und anderen Stückgütern
verhältnissmässig leicht und rasch erfolgen, während der Transport von Mineralien
schon mehr Mühe verursacht und namentlich bei Kohle ohne eine starke Verminderung
des Stückgehaltes kaum zu bewirken sein dürfte.
Sehr erleichtert wird die Umladung von Kohle, wenn der zu beladende Wagen
erheblich tiefer als der zu entladende Wagen steht und mit diesem durch eine geneigte
Schüttrinne verbunden ist. Eventuell kann der untere Wagen auch direct unter dem
oberen stehen und durch einen Trichter beladen werden, in welchen von oben die
Kohlen eingeschaufelt werden, eine Einrichtung, welche vereinzelt z. B. in Hochfeld
(bei Duisburg) und in England zum Beladen von Schiffen vorkommt, aber gegenüber
den später zu beschreibenden Kippen den Nachtheil hat, dass sie nicht nur die
Umladekosten reichlich auf das Doppelte erhöht, sondern dass auch die Kohle mehr
als bei jenen leidet.
Ein an Stelle der Verbindungsbrücke zwischen den beiden Wagen aufgestellter
drehbarer Krahn, wobei jedoch die Gleise nicht auf gleiche Höhe der Böden, sondern
zweckmässiger der Wagenoberkästen (bei offenen Wagen) zu verlegen sind, dürfte sich
für die Umladung solcher Stückgüter als zweckmässig erweisen, welche für den Hand-
transport zu schwer sind. Für Kohlen bedingt jedoch eine derartige Einrichtung die
Anwendung von Kübeln (am besten mit beweglichen Bodenklappen), welche entweder
auf den betreffenden Zechen verladen und mittransportirt, oder erst bei der Umladung
gefüllt werden. Auch die Herstellung der Localbahnwagen mit abhebbarem Obergestell
ist vorgeschlagen, dieselbe dürfte jedoch nur in wenigen Fällen zweckmässig sein.
Während der Transport der Kohlen in besonderen Gefässen die Tara und damit
die Fracht erheblich vertheuert, leidet die Kohle bei der Umladung durch Kübel und
steigern sich die Kosten. Die Anordnung eines sogenannten Schweinsrückens auf der
Bodenfläche der Wagen erleichtert allerdings auch die Ausladung der Kohlen sehr,
welche, soweit sie den Thüröffnungen zur Seite liegt, sich von selbst entladet, sie
macht aber eine Nachhülfe bei dem Entladen der mehr vor den Kopfwänden liegenden
Kohle nothwendig und erhöht das Eigengewicht der Wagen, während sie gleichzeitig
deren Rauminhalt verringert.
Die für grössere Transportmassen billigsten und, bei zweckmässiger Einrichtung
und verständiger Handhabung, anscheinend den Stückgehalt der Kohle am wenigsten
beeinträchtigenden Umladevorrichtungen dürften in beweglichen Brücken bestehen, auf
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