Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen: Mittheilungen über Localbahnen insbesondere Schmalspurbahnen — Erster Jahrgang.1882

Page: 104
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DIE BRÜNIGBAHN.

Die von mir im Jahre 1877 projektirte, inzwischen zur Ausführung gekommene, 45 km
lange, schmalspurige Feldahahn im Grossherzogthum Sachsen-Weimar durchzieht eine der ärmsten
Gegenden Deutschlands und hat den Zweck, diejenigen Landestheile des Grossherzogthums, die
in der armen Rhön liegen, nach Möglichkeit für den Verkehr aufzuscliliessen und wirthschaftlich
zu heben. Industrie ist so gut wie garnicht in der von der Bahn durchzogenen Gegend vorhanden
und von den durchgeliends sehr armen Bewohnern ernähren sich 3/4 von land- und forstwirtschaft-
lichen Tagelohnsarbeiten; eine einzige Post täglich in jeder Richtung vermittelte den Personen-
verkehr mit der nächsten Bahnstation Salzungen und wenige Fuhrleute besorgten den ganz
unerheblichen Güterverkehr.
Nach Eröffnung der Feldabahn im Jahre 1880 hat bereits im ersten Betriebsjahre, wo die Bahn
noch garnicht einmal in ihrer ganzen Länge im Betriebe war, der Personenverkehr nahezu das
Zehnfache des früheren Postverkehrs erreicht und eine Einnahme von 30,600 Mark
erreicht, die Niemand in der armen Gegend für möglich gehalten hätte; der Güterverkehr erreichte
schon im ersten Jahre die Höhe von 10,560 Tons und ergab eine Einnahme von 36,000 Mark.
Wenn man nun bedenkt, dass es sieb bei der Brünigbahn um die Verbesserung
der Verkehrsverliältnisse einer der schönsten und besuchtesten Parthien in der Schweiz
handelt, so ist es wohl ganz zweifellos, dass der Verkehr grösser und demzufolge
auch der Ertrag ein höherer sein wird, wie in der Ertragsberechnung angenommen ist.
Resumö. Fasse ich das im Vorstehenden Gesagte noch einmal kurz zusammen,
so ergiebt sich Folgendes:
1) Das gewählte Bahnsystem, die 1 Meter Schmalspurbahn
combinirt auf der Gebirgsstrecke mit der Zahnstange, er-
scheint zur Erfüllung des Programms als technisch durchaus
rationell und vom financiellen Standpunkte aus betrachtet,
als das allein Zweckmässige.
2) Empfehlen dürfte es sich, in Erwägung zu ziehen, ob nicht
durch Anwendung kleinerer Curvenradien, auf den Thal-
strecken bis 80 m, Ersparnisse beim Unterbau herbeizuführen
sind, welche zweckmässig dazu zu verwenden wären, in der
angedeuteten Art und Weise die Solidität dos Oberbaues zu
erhöhen.
3) Die Leistungsfähigkeit der Anlage ist durchaus dem Pro-

4) Die Baukosten von 7,000,000 Frcs. können als zu hohe nicht
betrachtet werden.
5) Die Betriebskosten von 230,000 Frcs. sind als sehr massige
zu bezeichnen.
ü) Der Ertrag des Unternehmens wird voraussichtlich schon in
den ersten Jahren ein höherer sein, wie in der Ertrags-
berechnung angenommen worden ist.


gramm Genüge leistend, kann aber noch ganz beliebig erhöht
werden.


Halle a/Saale, den 24. Mai 1882.

W. Hostmann,

Grossherzoglich Sächsischer Baurath.
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