Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen: Mittheilungen über Localbahnen insbesondere Schmalspurbahnen — Erster Jahrgang.1882

Seite: 113
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Die Anforderungen, welche an das Betriebsmaterial von Localbahnen auf eigenem
Bahnkörper, mehr aber noch, sobald diese als Tramwaybahnen auf bestehende Strassen
verlegt werden, gestellt werden müssen, sind wesentlich andere wie die, welche bei
unseren Yollbahnen als nothwendig erkannt sind.
Gegenüber den grossen Geschwindigkeiten und Massen, wie sie hier üblich und
Kegel sind, fallen beide bei Localbahnen vergleichsweise nur gering aus, bei denen
dagegen die Steigungs- und Krümmungsverhältnisse weit ungünstiger zu sein pflegen,
als dort. Es wird aus diesen und aus anderen Gründen, auf die wir später zurück-
kommen werden, nur in wenigen Fällen eingänglich, die Betriebsmittel der Local-
balmen denen der Vollbahnen nachzubilden und vielleicht nur in einzelnen Dimensionen
zu verringern.
Die Aufgabe, die Betriebsmittel der Localbahnen zu beschreiben und zu kritisiren,
ist eine sehr schwierige und umfangreiche. Die Schwierigkeiten beruhen hauptsächlich
in dem Umstande, dass sich, wegen des kurzen Zeitraumes, welcher verflossen ist,
seitdem man angefangen hat, den Localbalmen eine erhöhte, aber dabei noch keines-
wegs die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu schenken, die betreffenden Constructionen
noch in den ersteren Stadien des Versuchs befinden, indem noch immer zahlreiche
neue Constructionen auftauchen, deren practischen Werth oft nur eine längere Er-
fahrung feststellen kann. Dabei sind die bestehenden Bahnen zumeist erst kurze Zeit
im Betriebe, die Betriebsmittel vielfach abgeändert und die statistischen Nachweisungen
unsicher und lückenhaft. Der Umstand, dass sehr viele dieser Bahnen Unternehmungen
von Bankinstituten sind, welche sie möglichst rasch mit hohem Gewinn wieder zu
verkaufen trachten, hat zur Folge gehabt, dass sie zumeist mit recht knappen Geld-
mitteln und oft ohne genügende sachverständige Leitung hergestellt und betrieben
wurden. Unter Anderen machen sich diese Uebelstände bei der Beschaffung der
Betriebsmittel und in der Einrichtung von Reparaturwerkstätten unangenehm fühlbar.
Die Locomotiven und Wagen sind in ungenügender Zahl vorhanden und bleiben so
lange im Dienst, bis die Karre mit dem besten Willen nicht mehr laufen will. Erst
jetzt schreitet man zur Anlage von im knappsten Maasse mit Arbeitsmaschiuen
ausgestatteten Werkstätten, die in keiner Weise geeignet sind, die wahrscheinlichen
Unterhaltungskosten der Fahrzeuge bei sachgemässen Einrichtungen, guter Beaufsich-
tigung und rechtzeitiger Vornahme der Arbeiten erkennen zu lassen. Aber fast noch
fühlbarer als der Einfluss der Construction der Betriebsmittel auf deren Unterhaltungs-
kosten machen sich das gewählte Oberbausystem und die auf das Legen und die
Unterhaltung des Oberbaues verwendete Sorgfalt. Man darf in dieser Beziehung ohne
Mittheilungen über Localbahnen. 15

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