Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen: Mittheilungen über Localbahnen insbesondere Schmalspurbahnen — Erster Jahrgang.1882

Page: 124
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-1-1882/0136
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
124

DIE BETRIEBSMITTEL DER LOCALBAHNEN.

entbehrlich werden, da erfahrungsmässig etwa aus dem Schornstein geschlenderte kleine
Coakstheile nicht zünden. *)
Auch die Locomotiven der Yollbahnen haben lange Zeit hindurch nur Coaks
gebrannt, den man später mit der billigeren Ivohle vermischte und endlich gänzlich
durch diese ersetzte. Vielleicht steht den Tramway-Maschinen im Laufe der Jahre
ein gleicher Wechsel mit dem Feuerungsmateriale bevor.
Wenn sich der Rauch des Brennmaterials durch Benutzung des nicht rauchenden
Coaks zur Locomotivfeuerung —• allerdings unter Erhöhung der Betriebsausgaben —
leicht vermeiden lässt, so sind die Schwierigkeiten weit höher, sobald auch der Wasser-
dampf beseitigt werden soll.
Der aus den Dampfcylindern in den Schornstein tretende Wasserdampf dient
zur Anfachung des Feuers und würden ohne den durch ihn im Schornsteine erzeugten
Zug die Leistungen unserer Locomotiven den thatsächlichen auch nicht entfernt ent-
sprechen.
Indem der vorher unsichtbare Wasserdampf aus dem Schornsteine in die Atmo-
sphäre tritt, kühlt er ab und zeigt sich, aus lauter kleinen Bläschen bestehend, als
Wasserwolke, die durch Verdunstung bald verschwindet. Die Zeit dieses Verschwindens
richtet sich nach der Temperatur und der Feuchtigkeit der atmosphärischen Luft.
In warmen sonnigen Tagen ist sie oft so kurz, dass die Wasserwolke überhaupt
nicht zum Vorschein kommt, während diese besonders bei kaltem und nassen Wetter
oft noch lange sichtbar bleibt. Die Belästigung an solchen Tagen ist, wofern man
von einer solchen Dampfwolke getroffen wird, kaum grösser, als wenn man eine
Waschküche durchschreitet und wirklich des Aufhebens nicht werth, welches oft von
ihr gemacht wird.
Durch die Forderung der Condensation des Wasserdampfes wird mau gezwungen,
entweder den Kessel auf das Doppelte und mehr seiner Heizfläche und seines Ge-
wichtes zu vergrössern, um die Dampfproduction nicht zu sehr zu beeinträchtigen,
oder einen ganz besonderen Apparat anzubringen, welcher den Zug künstlich erzeugt.
Ausserdem bedarf es aber auch noch besonderer Einrichtungen zur Condensation des
Dampfes. Es bieten sich hier zwei Wege dar, deren ersterer und einfachster in der
Condensation des Dampfes durch Wasser besteht, während näcli der anderen Methode
der Dampf durch ein System mit atmosphärischer Luft umgebener Röhren geleitet
wird, in denen er condensirt.
Beide Condensationsmethoden werden vielfach mit einander combinirt.
Die obwaltenden Verhältnisse bei Condensation des Dampfes durch Wasser
werden aus dem Umstande ersichtlich, dass zu dieser Condensation etwa das acht-
fache Gewicht des Dampfes am Wasser erforderlich wird. Da nun das Gewicht des
in den Speisereservoiren mitgeführten Wassers annähernd 10 % des Gewichtes der

*) Anmerkung. Der Schreiber dieses fahr bei trockenem Wetter in diesem Frühjahre
mit einer Tramwaymaschine durch die Ortschaft Doesburg in Holland. Die Maschine passirte ein
mit Stroh gedecktes Haus so nahe, dass das Dach der Maschine das des Hauses fast berührte,
ohne dass ein Absperren des Dampfes für nötliig befunden wurde.
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list