Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen: Mittheilungen über Localbahnen insbesondere Schmalspurbahnen — Erster Jahrgang.1882

Seite: 125
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REISEBERICHT.

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dienstfähigen Locomotivo beträgt, so leuchtet die Unthunlichkeit einer Condensation
sämmtlichen Dampfes auf diesem Wege ein.
Bei der Condensation des Dampfes in mit Luft umgebenen Röhren wird die
erforderliche Ausdehnung der letzteren und damit ihr Gewicht sehr gross. Die
Kosten eines solchen Apparates erhöhen die der Locomotive um sehr reichlich 10 °/0,
während seine Complicirtheit auf die Reparaturkosten noch weit ungünstiger einwirkt.
Fragt man sich diesen grossen Uebelständen gegenüber, ob es denn nicht ein Mittel
giebt, ohne kostspielige Einrichtungen den Dampf auf einzelnen kürzeren Strecken,
die das besonders wünschenswerth erscheinen lassen, zu condensiren, so muss diese
Frage bejaht werden. Man kann dazu das Speisewasser benutzen, welches zur Con-
densation während etwa 1/10 der Wegelänge genügt, welche die Maschine durchlaufen
kann, ohne neuen Wasservorrath aufzunehmen. Für Chausseebahneu, welche nur
einzelne Ortschaften durchschneiden, dürfte obiges Maass nicht nur für diese, sondern
auch dann noch ausreichen, wenn man bei dem Passiren von Häusern mit Stroh-
dächern oder von andern leicht feuerfangenden Gegenständen der grösseren Sicherheit
wegen auch den Auswurf glimmender Coakstheilchen durch Condensation des Dampfes
beseitigen will.
Das viel behauptete und befürchtete Erschrecken von Pferden und anderen
Thieren durch die Tramway-Locomotiven ist auch nicht so schlimm, wie es gemacht
wird, und verliert dort, wo derartige Maschinen laufen, mit jedem Tage an Bedeutung.
Die Thiere gewöhuen sich eben sehr rasch an den Anblick der vorbeifahrenden
Locomotive, wenn sie den dieselbe leitenden Führer sehen, und ist es Thatsache,
dass man z. B. in Hamburg und in Strassburg, wo Tramway-Locomotiven seit
Jahren in sehr verkehrsreichen Strassen fahren, von derartigen Ereignissen kaum je
zu hören bekommt. Es ist allerdings richtig, dass einige Zeit vergeht, bis sich die
Pferde mit den Locomotiven vertraut machen, und demnach inzwischen rathsam, dass
der Kutscher das Pferd bei dem Passiren der Maschine führt. Ausserdem ist der
Locomotivfiihrer anzuweisen, bei dem Scheuen von Thieren langsam zu fahren, die
Cylinderhähne zu schliessen, von seiner Pfeife oder Signalglocke keinen Gebrauch zu
machen und eventuell anzuhalten. Die Mittel, welche ausserdem zu gleichem Zwecke
noch anzurathen sind, bestehen in einem dunklen Anstriche der Locomotive, deren
Führer so stehen soll, dass er nicht nur selbst die Strasse übersehen, sondern dass
er auch gesehen werden kann. Eine möglichste Verdeckung der Kurbel- und Kuppel-
stangen, der Steuerungstheile etc. erweist sich ebenfalls als rathsam und gewährt noch
den weiteren Vortheil, dass diese Tlieile zugleich gegen Staub etc. geschützt werden.
Bevor wir diesen Gegenstand, „die Anforderungen, welche im öffentlichen Interesse
au die Tramway-Locomotiven gestellt werden müssen“, verlassen, können wir nicht
umhin, dem bereits Gesagten eine kurze Besprechung der Betriebssicherheit der
Tramway- und Dampfbahnen und der übrigen Fahrbetriebsmittel überhaupt hier anzu-
schliessen.
Die statistischen Nachweisungen haben längst unwiderleglich nachgewiesen, dass
die Eisenbahnen, und zu diesen gehören doch auch die Dampftramways, sobald man
die Opfer mit der Zahl der Reisenden und der Längen der durchfahrenen Strecken
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