Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — X. Jahrgang.1891

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DIE SKAGENSBAHN.

II.
Die Skagensbahn.
Von Kuhrt, EisenLalm-Betriebs-Director in Flensburg.
(Mit 1 Karte und 2 Figuren im Text.)
I. Allgemeines.
Am 24. Juli v. Js. wurde die Skagensbahn, die erste Schmalspurbahn Dänemarks,
zugleich die nördlichste Dahn dieses Reiches und der cimbrischen Halbinsel, dem Verkehr
übergehen und hiermit auch die Streitfrage, ob für Localbalmen die normale oder die
schmale Spur zu wählen sei, zu Gunsten der letzteren entschieden.
Als bemerkenswerth muss hier hervorgehoben werden, dass der Streit um das Spur-
maass in Dänemark so alt ist, als die Dahnen in Jütland überall.
Denn schon in den fünfziger Jahren wurde für den Dau der Jütischen Dahnen, unter
Derücksichtigung des für diese Dahnen zu erwartenden geringen Verkehrs, von dem Civil-
Ingenieur C. J. Hansen in Kopenhagen die schmale Spur von lm der Regierung an-
empfohlen, und in Folge dessen auch eine Commission von Sachverständigen mit Hansen
zusammen nach Skandinavien abgeordnet, um liier an Ort und Stelle die Leistungsfähigkeit
der Schmalspurbahnen zu prüfen. Man entschied sich damals für die normale Spur haupt-
sächlich deshalb, weil die anstossenden Schleswig-Holsteinischen Dahnen diese Spur bereits
besassen und die Jütischen Fahrzeuge mit ihren zumeist aus Rindvieh bestehenden Frachten,
welche auf den Markt in Hamburg angewiesen waren, nach damaliger Ansicht ohne umzu-
laden auf die Anschlussbahnen übergeführt werden mussten.
Und so hat in Dänemark die Eisenbahn sich in derselben Abstufung entwickelt, wie
in anderen Culturstaaten; man ist von theuersten und theuren normalspurigen Primärbahnen
der reichsten und dichtbevölkertsten Distrikte — die Dahn Kopenhagen-Itoeskilde kostete
1 Million Kronen die Meile — zu den Secundärbahnen in den weniger wohlhabenderen
Landstrichen übergegangen, — die Lemvigbahn und ähnliche Secundärbahnen stellten sich
pro Meile auf 250 — 300000 Kronen, — und hat endlich in der Schmalspurbahn das
passende Glied des Eisenbahnwesens gefunden für die Vermittelung des Local Verkehrs und
des Transportes in Gegenden, welche dem grossen Weltverkehr weit abgelegen sind.
Die Skagensbahn ist die erste Dahn dieser Art, der sich rasch neue anreihen, indem
bereits zwei andere Schmalspurbahnen, die eine von Horsens nach Törring, die andere von
Hobro nach Lögstör am Liimfjorden gehend, in kürzester Frist dem Verkehr eröffnet werden
und weitere Linien sich in Vorbereitung befinden. Dass die Eröffnung der Skagensbahn
in Gegenwart des Königs, des Thronfolgers und der gesammten Creme der Dänischen
Staatswirthscbaft erfolgte, mag Zeugniss geben von der Wichtigkeit, welche man dem Er-
eigniss der Eröffnung der ersten Schmalspurbahn im Lande allgemein beimaass.
Die Skagensbalm dankt ihr Zustandekommen dem energischen Vorgehen des Stadt-
raths in Skagen und der tbatkräftigen Unterstützung des General-Directors der Dänischen
Staatsbahn, Tegner. Wie an manchen anderen Orten für eine verbesserte Communication
zunächst der Chausseebau in Aussicht genommen war, um erst später in dem Dau einer
Schmalspurbahn den rechten Verkehrsweg zu finden, so war auch an Stelle der Skagensbahn
zunächst eine Staatschaussee von Fredrickshavn nach Skagen projectirt, nachdem aus nach-
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