Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — X. Jahrgang.1891

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ÜBER AUSSERGEWÖHNLICHE BAHNSYSTEME. 11

Die Züge halten jedoch für ständig nur auf den Stationen Jerup, Aalbäck und Hulsig,
wogegen auf den übrigen Haltepunkten nach Bedarf angehalten wird, um Passagiere aus-
zusetzen resp. aufzunehmen.
Die Fracht der Bahn besteht neben allgemeinen täglichen Verbrauchsartikeln besonders
aus Fischen, welche von Skagen und den Zwischenstationen nach Fredrickshavn befördert
werden; jedoch ist auch der Personenverkehr nicht unbedeutend und grösser als Anfangs
erwartet wurde, da der Fremdenverkehr nach dieser nördlichsten Spitze Jütlands, welche
wegen ihrer grotesken Natur eine gewisse Romantik sich bewahrt hat, und daher schon
vor Eröffnung der Bahn vielfach von Schriftstellern und Künstlern besucht wurde, lebhafter
geworden ist.
Die bisherigen Ergebnisse der Bahn sind daher nicht allein technisch, sondern auch
finanziell zur allgemeinen Befriedigung ausgefallen.

III.
Ueber aussergewöhnliche Bahnsysteme.
Die Zahl der aussergewöhnlichen Bahnsysteme ist heute bereits ziemlich gross;
dennoch tauchen immer noch neue Vorschläge auf. Wir erinnern nur an die Stufen- und
an die Gleiteisenbahn, dann an Thompson’s wellenförmige Bahn, an B Oy ton’s Bicycle-
Bahn u. s. w. Im Folgenden soll nun versucht werden, eine Uebersicht über all diese
Bahnarten zu geben, wenn auch nur ganz kurz; durch Literaturangaben soll dabei Stoff
zu eingehenderen Studien geboten werden.
Wir beschränken uns dabei auf „Eisenbahnen“ im engeren Sinne des Wortes,
nachdem die verschiedenen Arten der Strassenbahnen in anderen Artikeln zur Genüge
behandelt sind. Als „aussergewölmlich“ bezeichnen wir insbesondere alle Bahnen, deren
Construction von der allgemein gebräuchlichen ab weicht, seien es nun Hauptbahnen oder
seien es Nebenbahnen bezw. Bahnen untergeordneter Bedeutung.
Naturgemäss sind die Bahnen aussergewölmlicher Construction vorwiegend „Bahnen
untergeordneter Bedeutung“. Doch giebt es auch im Sinne des Artikels aussergewölmliclie
Hauptbahnen. Dahin rechnen wir vor Allem die Stadtbahnen, da deren Construction
doch wesentlich von der Bauart der gewöhnlichen Hauptbahnen abweicht; sodann auch die
Bergbahnen nach Abt’s combinirtem Zahnrad- und Adhäsionssystem u. a. m.
„Aussergewölmlich“ sind nun zunächst in Deutschland alle solche Bahnen, deren
Spurweite nicht 1,435 m beträgt. Durch die Wahl der Spurweite wird jedoch nicht so sehr
die Construction der Balm, als vielmehr die Linienführung beeinflusst. Wohl
werden durch die Wahl einer geringeren Spurweite schärfere Curven zulässig, wohl werden
dadurch auch die Abmessungen des Ober- wie des Unterbaues, selbst aller Betriebsmittel
verändert, die allgemeine Form bleibt dabei jedoch unverändert. Aus diesem Grunde
scheiden wir auch die Schmalspurbahnen als solche vom Folgenden aus, zumal die Folgen,
die Vor- und Nachtheile der Wahl der Schmalspur (insbesondere auch in dieser Zeitschrift)
schon so oft erörtert sind, dass ein nochmaliges Eingehen darauf überflüssig erscheint.
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