Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — X. Jahrgang.1891

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BIN BEITRAG ZUR MOTORFRAGE FÜR STRASSENBAHNEN.

V.
Ein Beitrag zur Motorfrage für Strassenbahnen.
(Fortsetzung von Seite 111, Band IX und Schluss.)
IV. Bahnen mit Pressluftbetricb.*)
Bei den Bahnen mit Pressluftbetrieb sind 2 wesentlich von einander verschiedene
Arten zu unterscheiden. Bei der einen Art (Hochdruck-System von Beaumont und
Mekarski) wird der Bedarf an Pressluft für eine Zahl von Fahrten in mehreren Reser-
voirs sehr hoch gespannt mitgeführt; dabei entsteht ein verhältnissmässig grosses todtes
Gewicht der Wagen. Bei der zweiten Art [System Pardy,**) Hughes u. Lancaster]***)
wird in den Wagen nur ein kleiner Behälter angeordnet und eine Speisung sehr häufig
vorgenommen. Zu dem Ende liegt unter der Strassenoberfläche ein Rohr, das von Zeit zu
Zeit Ventile in der Strassenoberfläche hat. Wenngleich dadurch das todte Gewicht des
Wagens verringert wird, die Luft auch nicht so stark zusammengedrückt zu werden braucht
(Niederdrucksystem), so wird dadurch doch die Anlage so verwickelt, dass der Gedanke
als völlig unbrauchbar zu bezeichnen ist. Durch die vielen Ventile entstehen grosse Ver-
luste; die Ventile werden bei Schneefall gar nicht, in der Dunkelheit nur schwer zu ent-
decken sein; der Betrieb wird dadurch sehr unsicher; die Führung des Wagens ist eine
sehr schwierige u. A. m. Demzufolge haben sich auch die Niederdruck-Systeme, soweit
bekannt, nirgends bewährt, f)
Als durchaus lebensfähig hat sich dagegen das System Mekarski gezeigt; hierüber
liegen von den verschiedensten Seiten günstige Berichte vor. Es ist ausgeführt u. A. in
Nantes, Paris, London und auf der G3 km langen Strecke von Vincennes nach Ville Exrard.
Nach Versuchen in Nantes, wo sich dies System schon seit 10 Jahren im Betrieb durchaus
bewährt hat, verhalten sich die Kosten für die dortigen Verhältnisse beim Betrieb mit
Pressluft bezw. mit Dampfmaschinen und mit Pferden wie 1:1,25 bis 1,67:1,25 bis 1.92,
so dass der Betrieb mit Pressluft dort am billigsten ist.
Ein Uebelstand bei diesem System ist, wie bereits bemerkt, das relativ hohe todte Ge-
wicht der Wagen. Mekarski’s Maschinen für Strassenbahnen wiegen nämlich zusammen
mit dem Wagen für 50 Personen im dienstfähigen Zustande 6—8 t mit 4,5 t Triebachslast.
Danach sind sie immer noch viel leichter, nur etwa halb so schwer, als die Locomotiven
und Wagen der Dampfstrassenbahnen, und nicht viel schwerer, als die Accumulatorenwagen
beim electrischen Betrieb, ff) Die von gegnerischer Seite behauptete „Gefährlichkeit“ des
Systemes ist trotz der hohen dabei verwandten Pressungen in Wirklichkeit kaum vorhanden,
da die Pressungen ein vorher genau bestimmtes Maass nicht überschreiten können und
hierfür das Reservoir leicht stark genug gemacht werden kann. Die Pressung nimmt beim
*) Heber die indirect mit Pressluft betriebenen Bahnen Judsons s. unter VI.
**) Vergl. Zeitung d. Vereins Deutscher Eisenb.-Verw. 1886, S. 1073, auch Organ 1885, S. 132.
***) s. 1). Strassenbahn 1S89, S. 209.
t) Neuerdings ist dies System mit einigen Abänderungen für die Strassenbahn in Chester ange-
wandt. Eine eingehende Beschreibung findet man im Engineering 1890, I, S. 235, 333 u. 354 (mit Abbild.).
Hier sollen die Resultate bisher zufriedenstellende sein. (?)
tt) Der Julien’sche Wagen mit Accumulator in Hamburg wog 4,83t!
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1891.

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