Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — X. Jahrgang.1891

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DIE ENTWICKLUNG DER LOCALDAHNEN IN DEUTSCHLAND.

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VI.
Die Entwicklung der Localbahnen in Deutschland.
Von W. Hostmann.
Mit einer lithographirten Tafel I.
(Fortsetzung und Schluss aus Heft I 1890.)
III. Rheinland und Westfalen.
Im Gegensatz zum Königreich Sachsen, wo die Regierung bestrebt ist, den schwierigen
Terrainverhältnissen und den so sehr verschiedenen Verkehrsbedürfnissen durch eine mög-
lichst vielseitige Gestaltung des Transportwesens gerecht zu werden, tritt in der Rhein-
provinz und Westfalen die eigentümliche Erscheinung zu Tage, dass in diesen beiden
Provinzen, welche sowohl bezüglich des Terrains wie auch der industriellen Thätigkeit
mit dem Königreich Sachsen viel Aehnlichkeit haben, das öffentliche Transportwesen viel
einseitiger ausgebildet ist, indem es, bis vor Kurzem, fast nur normalspurige Haupt- und
Nebenbahnen dort gab und obgleich gerade in der Rheinprovinz die erste Schmalspurbahn
für Personen- und Güterverkehr (Bröhlthalbahn) ausgeführt wurde.
Während im Königreich Sachsen sich zur Zeit 250 km Schmalspurbahnen im Betriebe
befinden, giebt es in ganz Rheinland und Westfalen zur Zeit nur 3 derartige Bahnen im

Betriebe, nämlich:
1. die Bröhlthalbahn.31,1 km lang,
2. Kreis Altenaer Schmalspurbahn . . 32,9 , „
3. Wenuelskirchen-Burg.11,2 , „
7 5,2 km lang.

Erst in den letzten Jahren beginnt es sich auf diesem Gebiete mehr zu rühren und
befinden sich zur Zeit mehrere Linien im Bau, während eine ganze Anzahl von Projecten
bearbeitet wird.
Forscht man den Ursachen dieser eigenthümlichen Erscheinung nach, dann muss zu-
nächst hervorgehoben werden, dass in Sachsen die Schmalspurbahnen auf Staatskosten ge-
baut und betrieben werden, während in Preussen sich die Regierung im Grossen und Ganzen
ablehnend gegen dies Bahnsystem verhalten und erst in den letzten Jahren ein paar solche
Unternehmungen finanziell unterstützt hat (Kreis Altenaer und Flensburg-lvappelner Schmal-
spurbahn).
Es muss ferner hervorgehoben werden, dass, nachdem in Preussen das Staatsbahn-
system zur Geltung gelangt ist, die Concessionsertheilung, selbst dieser kleinen Bahuen,
mit so viel Hindernissen und Schwierigkeiten verbunden ist, dass das Privatcapital nur in
seltenen Fällen sich für solche Unternehmungen, deren Gedeihen naturgemäss langsamer
erfolgt wie bei den Hauptbahnen, interessirt.
Kreis, Gemeinden und Interessenten allein sind aber nur selten kapitalkräftig
genug, diese kleinen, oft durch das schwierige Terrain keineswegs billigen, Bahnen in’s
Leben zu rufen.
Endlich ist noch zu beachten, wie schon oft betont, dass gerade vielfach an maass-
gebenden Stellen eine durch nichts zu begründende Abneigung gegen dies nützliche Bahn-
system vorhanden war und zum Theil noch ist.
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