Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — X. Jahrgang.1891

Page: 48
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-10-1891/0053
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
48

LITEEÄTURBERICHT. -- ALT,GEMEINES.

Im Interesse mancher Gegend, die sonst keine Aussicht hat jemals eine Verbindung
mit den grossen Schlagadern unseres heutigen Verkehrslebens zu erhalten, ist zu wünschen,
dass auf diesem Gebiete bald andere Ansichten sich Bahn brechen, wie dies in vielen
unserer Nachbarstaaten, ganz besonders in Frankreich, schon lange der Fall ist.
Von anderen deutschen Staaten müssen in erster Linie die 11 eichslande hervor-
gehoben werden, in denen sich eine sehr lebhafte Thätigkeit im Localbahnwesen entfaltet
hatte, deren gesunde Weiterentwicklung aber in den letzten Jahren leider durch höhere
Rücksichten gestört wurde.
Ausserdem sind, wie an anderer Stelle erwähnt, Schmalspurbahnen vereinzelt her-
gestellt in Bayern, Württemberg, Hessen, Oldenburg, Baden, Anhalt-Dessau und Schleswig-
Holstein, während im Uebrigen dies Bahnsystem zur Zeit nur für industrielle Zwecke An-
wendung findet.
Hannover, im Februar 1891.

Literatur bericht.
a) Allgemeines.
II. Strassenbahnen.
Allgemeines.
l)ic ersten fünfundzwanzig Jahre der Deutschen Strassenbahnbetriebe (vergl. auch 1800,
S. 32—37, Die Strassenbahnen in den Städten). Hierüber hielt Dr. Hilse zu Berlin einen hoch-
interessanten Vortrag, dem wir das Folgende entnehmen: Im Jahre 1889 sind von 73 deutschen Strassen-
bahngesellschaften Deutschlands in 64 Orten über 333,269,504 Fahrgäste befördert, die mehr als
40,220,359 M. Fahrgeld bezahlt haben, dazu sind mehr als 15,326,517 Fahrten mit 80,725,266 Wagcnkm
zurückgelegt. (Die Zahlen sind nicht vollständig genau, da 4 Betriebsverwaltungen die bezüglichen Nach-
richten vorenthalten haben.) Für den Betrieb waren erforderlich 3962 Wagen, welche 133,386 zugelassene
Plätze enthielten und 14,493 Pferde, ausserdem 161 Maschinen. Auf Berlin entfallen davon 134,400,431
Fahrgäste, 15,934,551 M. Fahrgeldlösung, 4,643,738 Fahrten zu 27,754,016 Wagenkm durch 5486 Pferde,
14 Locomotiven und 1094 Wagen. Im ersten Betriebsjahre waren nur 19 Wagen und 126 Pferde nötliig.
— Das deutsche Strassenbahnbetriebsnetz beträgt heute unter Ausschluss der Bahnhofs- und Zufahrts-
geleise 1,349,092 m gegen 7800 m im Jahre 1865. Von allen im Jahre 1889 beförderten Personen ent-
fallen 95,2_°/o auf Pferdebetrieb und 0,33% der Gesammtziffer wurden auf elektrischen Bahnen befördert.
— Urspünglich wurde für eingeleisige Bahnen eine Strassenbreite von 11,3 m, und für zweigeleisige
eine solche von 17,5m gefordert, heute werden zweigeleisige Strecken in Strassen von lim Breite ganz
allgemein zugelassen; sie kommen vor in einer nur 6,8 m breiten Strasse. — TJm unnütze Wege thun-
liclist zu vermeiden, werden Pferdeställe und Wagenremisen jetzt auch inmitten der Städte ausgeführt.
Schon länger bestehen, um an Grunderwerb zu sparen, Pferdeställe, in denen die Pferde in 2 Geschossen
Unterkunft finden. Neuerdings werden Hochbauten projektirt, mit Wagenhallen in den unteren Räumen,
Pferdeställen in dem 2. und 3., und Futterböden im 4. und 5 Stockwerk. — Die meisten Wagen werden
in Ehrenfeld bei Cöln in der Fabrik von Herbrand & Co., ferner in der Waggonfabrik Ludwigs-
hafen und in Görlitz hergestellt. Im Wagenpark Deutschlands sind 14—15 Millionen Mark angelegt.
Bei Baarzahlung kosten Decksitzwagen etwa 4850 M., Zweispänner ohne Deck 3850 M. und Einspänner
2900 M. Beim Einspännerbetrieb und beim Zweispännerbetrieb mit Decksitz sind schwere Pferde er-
forderlich, die aus Dänemark, Mecklenburg und Holstein, sowie in geringer Zahl aus Frankreich bezogen
werden. Für Betriebe mit Zweispänner ohne Deck bei massigen Terrainschwierigkeiten eignen sich die
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list