Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — X. Jahrgang.1891

Page: 127
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VON DER INTERNATIONALEN ELECTROTECHNISCHEN AUSSTELLUNG.

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Es ergiebt sich also eine sehr grosse Uebersetzungszahl, welche z. B. durch Räder
nicht ohne Einschalten eines Zwischengeleges zu erreichen ist. Demnach findet sich mit
einer einzigen Ausnahme auf der ganzen Ausstellung nur die Räderübersetzung in Au-
wendung. Es war eine Zeitlang auf der Bahn der Commandit-Gesellschaft
Schlickert & Comp, eine Gliederkette als Kraftübertrager in Verwendung, doch be-
währte sich diese scheinbar gar nicht. Nur der Wagen, welcher auf der Frankfurter
Waldbahn im Betriebe ist, wurde von seinem Constructeur mit einem ganz abweichenden
Uebertragungssystem versehen, das zwar früher auch schon, jedoch nicht mit dem ge-
wünschten Erfolge, einzuführen versucht wurde. Es ist dies nämlich eine Uebersetzung
vermittelst Schnecke und Schneckenrad. Durch Anwendung dieser Uebertragungsmethode
kommt die Motorachse senkrecht zur Antriebsachse zu liegen, was für eine günstige,
federnde Aufhängung sehr gut zu sein scheint. Auch der Kraftverlust in der sehr steil
gehaltenen Schnecke, welche zudem immer in Oel läuft, scheint nicht mehr zu betragen,
als bei Räderübersetzung; dann ist aber der Gang dieser Uebertragung ein völlig geräusch-
loser, was bei den anderen Systemen nicht behauptet werden kann.
Von grösster Wichtigkeit bei diesem System mit Accumulatorenbetrieb ist natürlich
das System der Batterie, welches in Anwendung gebracht wird und sind in letzter
Zeit gewiss gerade auf diesem Gebiete recht bedeutende Fortschritte zu verzeichnen.
Leider ist auch diesbezüglich die Ausstellung nicht sehr vollkommen, da eigentlich ausser
grossen stationären Batterien sehr wenig von der vielfachen Verwendbarkeit der Accumu-
latoren in leichten kleinen Batterien, zu den verschiedensten Zwecken zusammengestellt,
zu sehen ist.
Der Accumulator, welcher in dem auf der Frankfurter Waldbahn verkehrenden
Wagen Verwendung findet, ist der von der Maschinenfabrik Oerlikon nach Patenten
von Dr. Schoop gebaute und ist es gewiss gestattet, auf denselben mit einigen Worten
zurückzukommen, da dieser Accumulator doch noch nicht so bekannt sein dürfte, als der
im Siemens'sehen Accumulatorwagen verwendete von der Firma Müller & Einbeck
in Hagen nach Tudor gebaute.
Der Oerlikon-Accumulator hat nur ein einfaches Bleigerippe, auf welches die
active Masse aufgetragen wird. Um nun das vielfach gefürchtete, bei Accumulatoren so
leicht eintretende Ausfallen der activen Masse zu verhindern, das auch vielfach Veran-
lassung zu Kurz- und Nebenschlüssen in den einzelnen Zellen ist, wird in diesem Accu-
mulator nicht ilüssige Säure als Electrolyt verwandt, sondern eine ziemlich feste gallert-
artige Masse, welche in flüssigem Zustande in die Zelle eingegossen wird und dort
also alle Poren und Räume ausfüllt, um dann nach einiger Zeit fest zu wrerden. Der so
mit gelatineartigem Electrolyt gefüllte Accumulator kann viel leichter hohe Stromstärken
abgeben ohne Schaden zu leiden, als mit flüssiger Säure gefüllte Zellen; überdies ist ein
Auslaufen dieser Zellen ausgeschlossen und kann, sofern der Bruch eines Gefässes eintreten
sollte, die Fahrt ohne jeden Aufenthalt weiter fortgesetzt werden, währenddem das Aus-
laufen einer Zelle sonst unbedingt einige Reparaturen nötliig macht, bevor an ein Fort-
setzen der Fahrt gedacht werden kann.
Es wäre nur noch Einiges über die Regulirung der Geschwindigkeit bei
den verschiedenen Systemen zu erwähnen und unterscheiden sich da die auf der Ausstellung
vorgeführten Systeme mit oberirdischer Zutheilung auch ganz bedeutend von denen mit
Accumulatorenbetrieb. Während nämlich bei diesen Bahnen mit oberirdischer Zuleitung
einfach ein Widerstand eingeschaltet wird, um den Motor anlaufen lassen zu können, der,
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