Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — X. Jahrgang.1891

Page: 182
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KLEINERE MITTHEILTJNGEN.

Ja, nach der Ausführung einer hiesigen Zeitung soll ein Mitglied sogar gesagt haben, dass man
vor 10 Jahren noch nicht an Schmalspur gedacht habe. Und bei solchen Ansichten will man ernsthaft
über Spurweiten discutiren. Haben wir da nicht recht, wenn wir behaupten, die hohe Bedeutung der
Schmalspur, besonders in wirtschaftlicher Beziehung, ist von der Versammlung nicht gewürdigt worden! ?
Uebrigens wollen wir die offlciellen Berichte erwarten und darauf unsere Discussion der Verhand-
lungen event. weiter fortsetzen.

Kleinere Mfttlief 1 migen._
Die Uebelstände der Dampfheizung bei der Eisenbahn und die Möglichkeit ihrer Beseitigung.
I)ie Dampfheizung der Eisenbahnzüge besitzt zur Zeit als Hauptübelstand nur den einen, dass ihre
Zuführung von einem zum anderen Wagen vermittelst der Gummischläuche erfolgen muss und deshalb
nur mit geringem Drucke geheizt werden kann. Dieser Uebelstand ist aber von so grosser Tragweite,
dass manche Verwaltung wohl gerne zur Briquettesheizung zurückkehren möchte, wenn eine Rückkehr dazu
überhaupt noch möglich wäre.
Eine Beseitigung der Dampfheizungen verschiedenster Bauarten hat schon wiederholt stattgefunden,
eine Wiedereinführung ist aber ebenso oft wiederholt worden, so dass es nicht uninteressant ist, dio
Gründe dafür und dagegen zu beleuchten.
Der Hauptgrund für die Einführung der Dampfheizung ist die leichte Handhabung von einem
einzigen Punkte, d. h. möglichst von der Locomotive aus.
Der nächste Grund ist die erheblich geringere Kohlenausgabe und schliesslich der letzte Grund
ihre absolute Feuersgefahrlosigkeit. Alle drei Gründe sind so durchschlagend, dass nach verschiedenen
fruchtlosen Versuchen immer wieder auf diese Heizung der Eisenbahnzüge zurückgekommen wurde.
Mögen selbst auch bei einzelnen, namentlich süddeutschen Verwaltungen die Erfahrungen mit der
jetzigen Dampfheizung günstigere genannt werden können, in den norddeutschen Bezirken mit hohen
Kältegraden sprachen die Erfahrungen stark dagegen.
Der wichtigste Mangel der Dampfheizung ist die geringe Dampfspannung und dio damit verknüpfte
niedrige Dampftemperatur. Die höchste zulässige Dampfspannung beträgt zur Zeit 3 Atm. (ca. 125 Grad
Celsius), welche aber gewöhnlich aus Ersparnissrücksichten seitens der Locomotivführer nicht einmal
gehalten wird, und eine höhere Dampfspannung ist zur Zeit nicht möglich, weil die bekannten Gummi-
schläuche einen stärkeren Druck unter gleichzeitiger Einwirkung der Wärme nicht aushalten können.
Die unmittelbare Folge ist, dass bei längeren Zügen von einem ordentlichen Durchheizen der Züge
am hinteren Ende gar nicht zu reden ist und dass die Verwaltungen aus diesem Grunde zur Anschaffung
und Einstellung von besonderen Heizkesselwagen schreiten müssen, welche den grössten Theil des Nutzens
der Dampfheizung wieder verlustig machen. Diese Dampfheizkesselwagen kosten natürlich aufs Neue
erhebliches Geld und verlangen für ihre Bedienung noch besonderer Wärter.
Eine wirkliche Verbesserung der Heizung Hesse sich meines Erachtens dadurch erzielen, wenn man
die Spannung des Dampfes unter Anwendung metallischer Schläuche erheblich erhöhte, weil dadurch die
Dampfcirculation und die Temperatur in der Dampfleitung verbessert werden würde. Ausserdem könnte
durch Einschalten von je einem Differenzventil unter jedem Wagen die Zuführung des Dampfes nach den
Heizkörpern selbstthätig geregelt werden und würde dann eine Beaufsichtigung der Dampfzuführung
durch den Locomotivführer, welcher ohnehin nur auf seinen Vortheil bedacht sein wird, in Wegfall
kommen. Jedenfalls würde aber der Dampfverbrauch sich dann lediglich nach dem Bedürfniss und nicht
nach dem Standpunkt der Kohlenersparniss der Locomotivführer richten.
Die Befriedigung dieses Bedürfnisses wird aber nur möglich werden, wenn die metallischen Schläuche
in Anwendung gelangen, welche mit Sicherheit Spannungen bis zu 12 Atm. übertragen können.
Wie von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, sollen Versuche mit solchen Schläuchen demnächst
bei der Kgl. Preuss. Staatseisenbahn-Verwaltung eingeleitet werden und werden Erfahrungen am Schlüsse
des nächsten Winters schon vorliegen. 0. R.
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