Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XI. Jahrgang.1892

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UBER J>IE BEI BAHNEN ANWENDBAREN BREMSEN etc.


Wenn eines Tages mehr oder weniger die gleichen Bedingungen hei gewissen Secundär-
bahnen wie bei den Hauptbahnen sich ergeben würden, dann wäre dies eine ganz unerwartete
Hebung des Verkehres und des Wohlstandes, dann kann man aber auch nicht zweifeln,
dass die Betriebsführer sich Beeilen werden, die durch die neue Lage notbwendig gewordenen
Mittel anzuwenden. Man soll sich wenigstens der kostbaren Vortheile der durch die Haupt-
bahnen zu erwerbenden Erfahrungen bei den Bremsapparaten nicht berauben und man möge
sich daher nicht beeilen ihre Einrichtungen je nach den Bedürfnissen, die aus der Praxis
hervorgelien, zu verbessern. Die grossen Linien haben in ihren ersten Jahren dieselbe
Bolle gespielt; um so mehr haben die Secundärbahnen ein Beeilt darauf, sie, die nur ge-
boren sind und leben können, wenn sie sich innerhalb der Grenzen der genauesten Oekonomie
halten.
Die der Section des Congresses von ihren, den verschiedenen Ländern angehörenden
Mitgliedern ertheilten Auskünfte beweisen übrigens, dass auf vielen Secundärbahnen die
Züge ohne Benachtheiligung der Sicherheit und der relativ beträchtlichen Geschwindigkeit
verkehren, ohne dass dieselben mit anderen als der Schraubenspindelbremse ausgerüstet sind.
Und hernach muss man die Schwierigkeiten der Erhaltung und Reparatur ihrer heiklen
und complicirten Bestandtheile gedenken, aus welchen sich im Allgemeinen die durch-
laufenden Bremsen zusammensetzen.
Die Secundärbahnen haben im Allgemeinen sehr beschränkte Werkstätten, welche nur
für die kleinen laufenden Reparaturen eingerichtet sind. Wenn man diesen Werkstätten
die Iteparatur der durchgehenden Bremsen aufdrängen würde, so wäre ihre Verlegenheit
ziemlich gross.
Endlich ist noch ein anderer Nachtheil zu verzeichnen d. i. die Notliwehdigkeit, in
welcher sich die Betriebsführer von Secundärbahnen sehr häufig befinden, die Zusammen-
setzung der Züge, welche im Allgemeinen gewünscht wird, zu ändern. Hierin liegt ein
Zwang, welcher die Anwendung der durchlaufenden Bremsen schwierig macht und dieselben
auch sehr häufigen Beschädigungen aussetzt.
Das ist im Besume eigentlich die 2. Meinung, welche im Schoosse der Versammlung
unterstützt wurde und gelangten die Mitglieder zum Schlüsse, indem sie die formelle An-
sicht ausdrückten, dass, weit davon entfernt die Anwendung der durchgehenden kräftigsten
Bremsen zu empfehlen — ausgenommen in ganz aussergowöhnlichen Fällen, man die ein-
fachen mit der Hand zu bethätigenden Schraubenbremsen beibehalten solle. Sie sind der
Meinung, dass diese vollständig ausreichen, die Sicherheit des Betriebes selbst auch dann
zu gewährleisten, wenn man das gegenwärtig gestattete Maximum der Geschwindigkeit auf
den Secundärbahnen erhöhen würde.
Dieser Satz hat die Zustimmung der 5. Section gefunden. Nach einer langen Debatte
hat sich die Section zu folgender Formulirung geeinigt, welche der allgemeinen Ansicht
zu entsprechen scheint:
„Indem die 5. Section in Betracht zieht, dass der Betrieb der Secundär-
Eisenbalinen, welche auf Strassen geführt werden, wesentlich ökonomisch sein
muss, indem er alle durch die besonderen Umstände für jede einzelne Bahn
verlangten Sicherheits-Bedingungen vereinigt, erachtet sie, dass im allgemeinen
der Gebrauch der durchgehenden Bremsen nicht notbwendig ist, dass die ge-
wöhnlichen. mit der Hand zu bethätigenden Schraubenbremsen alle Garantieen
der gewünschten Sicherheit selbst dann bieten, wenn man eine grössere als die
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