Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XI. Jahrgang.1892

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MITTHEILUNGEN AUS DEM AMERIKANISCHEN STRASSENBAHNWESEN.

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X.
Mittheilungen aus dem amerikanischen Strassenbahnwesen.
Von Curt Merkel, Ingenieur.
(Mit 10 Fig. im Text.)
Das amerikanische Strassenbahnwesen bietet bekanntlich durch die ihm eigene unge-
wöhnliche Benutzung der Electricität als treibende Kraft ein besonderes Interesse. Bereits
im Jahre 1891 wiesen 1/i sämmtlicher Strassenbahnen electrischen Betrieb auf und dürfte
sich der Procentsatz in der Zwischenzeit auf über 30 erhoben haben.
Im Nachstehenden sollen an der Hand amerikanischer Fachblätter, in erster Linie
der „Engineering News“ und des „Engineering Record’s' einige bemerkenswerthe Mit-
theilungen aus dem hier in Frage kommenden Gebiete wiedergegeben werden.
Wenn uns auch gegenwärtig die Amerikaner in der Anlage electrischer Strassen-
bahnen, namentlich was deren Anzahl anbetrifft, weit überlegen sind, so ist diese That-
saclie doch ziemlich neuen Datums; auch in Amerika hat es einer sehr langen Zeit bedurft
bis die Electricität sich das Gebiet des Strassenbahnwesens erobert hatte und bis dieselbe
in dem Wettkampfe gegen Dampf und thierische Kraft als sichere Gewinnerin betrachtet
werden konnte. Es ist ja gerade letzterer Umstand, welcher eine immer genauere Kenntniss
der diesbezüglichen amerikanischen Bestrebungen und Erfolge wünschenswerth erscheinen lässt.
Von dem verhältnissmässig langsamen Entwicklungsgänge, welcher erst in den letzteren
Jahren in rascherem Tempo erfolgte, giebt eine geschichtliche Wiedergabe der Versuche
über die Nutzbarmachung der Electricität für das Strassenbahnwesen das anschaulichste Bild.
Die erste Kunde von der Anwendung der Electricität zu Bewegungszwecken bezieht
sich auf einen Grobschmied in Brauoon, welcher 12 Jahre nach den Experimenten Fara-
day’s diesbezügliche Versuche anstellte.
Im Jahre 1834 brachte Davenport in Springiield einen electrischen Motor zur
Schau, der einen Zug im Kreise bewegte. Wahrscheinlich ist dieses der erste Versuch
einer electrischen Eisenbahn gewesen. Zwischen 1835—1841 construirte Davenport mehr
als hundert electrische Motore von der Grösse eines Modells bis zu einer solchen Stärke,
um eine rotirende Buchdruckerpresse zu treiben. Im Jahre 1837 stellte Moses Farmer
einen Motor her, der im Stande war, zwei Passagiere in einem Wagen fortzubewegen.
1839 baute Robert Davidson einen Motor, welcher einen circa 5 Meter langen Wagen
mit eiuer Geschwindigkeit von circa 6 Kilometer pro Stunde bewegte. Ein grösserer und
kräftigerer Motor ist Dr. Charles Grafton, B. Page zu danken. Dessen Gehilfe,
Thomas Hall, baute bereits eine Lokomotive, welcher der electrische Strom durch die
Schienen zugeführt wurde. Alle genannten Versuche haben jedoch lediglich historisches
Interesse, ln keinem der angeführten Fälle gelang es die Motore so auszubilden, dass
dieselben in praktischer Weise hätten ansgenutzt werden können.
Stephen D. Field, einem Neffen des bekannten Cyrus Field, des Schöpfers des
transatlandischen Kabels, gebührt das Verdienst, etwas Brauchbares geschaffen zu haben.
Im Jahre 1880 baute sodann Edison eine Bahn von 1500 m Länge und liess eine grosse
electrische Maschine darauf laufen. Die Electric Railway Company of the United States
führte 1883 auf der Chicagoer Ausstellung eine Eisenbahn in Thätigkeit vor. ln demselben
Jahre machte Da ft seine Experimente in Greenville und errichtete die Saratoga und
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