Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XI. Jahrgang.1892

Page: 137
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DIE BEDINGUNGEN DES BILLIGEN BAUES UND BETRIEBES VON TERTIÄRBAHNEN. 137

Sollte einer Privatunternehmung die Concession zum Baue der Localbahnlinien der
Wiener Stadtbahn (Punkt II lit. d, e, f, i, u, k) ertheilt werden, so wird der soeben be-
zeichnete Höchstbetrag auf die Summe von 10 800 000 Gulden herabgesetzt.
Vom Gemeinderathe wurde bezüglich der sämmtlichen im Sinne des Programms bis
Ende 1897 auszuführenden Verkehrsanlagen bestimmt, dass die Anlehenssumme, deren Ver-
zinsung und Tilgung von dem Bürgermeister zugesichert werden kann, den Höchstbetrag
von 24 000 000 nicht übersteigen darf, ln dieser Summe ist die Beitragsleistung für die
Wienflussregulirung im Höchstbetrage einer Baarsumme von 10 Millionen Gulden enthalten,
obschon dieselbe erst bis Ende 1900 vollständig zu verwenden ist.
Bei Ertheilung der Concession zum Baue der Localbahnlinien an eine Privatunter-
nehmung darf die Anlehenssumme den Betrag von 21400 000 Gulden nicht überschreiten.
Diese Regierungsvorlage wurde bereits im Budgetausschuss mit allen gegen zwei
Stimmen (Jungezechen) angenommen und unterliegt es keinem Zweifel, dass das Gesetz
beim Wiederzusammentritt des Reichsrathes nach Ostern mit überwiegender Majorität an-
genommen werden wird.
So darf auch erwartet werden, dass nach Fertigstellung der Bauprojecte noch im
heurigen Herbste mit aller Energie an die Ausführung geschritten werden wird.

XHI.
Ueber die Bedingungen des billigen Baues und Betriebes
von Tertiärbahnen.
Von E. Fränkel, Regierungsbaumeistor in Breslau.
Nach dem Ausbau der verkehrsreichen und rentablen Linien der Haupt- und Neben-
bahnen werden nur diejenigen Bahnstrecken eine lohnende Verzinsung etc. ergeben, welche
geringe Anlage- und Betriebskosten erfordern. Die Schwierigkeit, diese beiden Forder-
ungen zu vereinigen, liegt hauptsächlichst an den Steigungsverhältnissen. welche ent-
weder bei der Forderung billigen (Locomotiv-) Betriebes grosse Erdarbeiten, daher hohe
Anlagekosten und Verzinsung erheischen, oder bei Anschmiegung der Trace an das zu
durchfahrende Gelände einen kostspieligen Betrieb ergeben. Die Anwendung der Zahn-
stange im letzten Falle, welche bei Strassenbahnen schwer durchführbar sein wird, zieht
zwar die Betriebskosten herab, setzt aber die Anlage- und Unterhaltungskosten wieder
derart in die Höhe, dass in den meisten Fällen das nöthige Baukapital nicht aufgebracht
wird und eine Rentabilität nicht zu erwarten steht. Ein billiger Bau wird also nur dann
möglich sein, wenn die Linie unter Fortfall aller Erdarbeiten dem Terrain sich anschmiegt
und wenn ferner Schienen mit sehr geringem Gewicht zur Anwendung kommen; dieses
darf nur so gross sein, dass der von der Wagenbelastung herrührende Druck mit der
Festigkeit der Schienen im Einklang steht, während der Achsdruck der Locomotive nicht
grösser sein darf, als der (Maximal-) Druck der Wagenachse, um eine gleichmässige In-
anspruchnahme des Gestänges und somit ein Minimum von Materialgewicht zu gewährleisten;
gleichzeitig muss die Anzahl der Locomotivachsen eine kleine sein, um die todte Last mög-
lichst gering und die Nutzlast gross zu erhalten und um die Locomotive für scharfe Curveu
verwendbar zu machen. Da die Anwendung der Zahnstange, insbesondere bei Benutzung der
Landstrasse in ihrer Längsrichtung für die Bahnlinie, wie oben dargelegt, ausgeschlossen, und
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