Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XI. Jahrgang.1892

Page: 160
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160 NACHTRAG ZU HEM AUFSATZE „DIE ÖFFENTLICHEN VERKEHRSWEGE IN WIEN“.

selbe bei zunehmenden Durchmesser der Scheibe ahnehmen muss. In der Praxis nimmt
man den Durchmesser ungefähr 100 mal grösser als die Stärke des Kabels. Wird das
Kabel durch einen festen Motor bewegt, so ist die Spannung in dem ziehenden Ende des
Kabels grösser als in dem anderen Ende. Das Yerhältniss dieser Spannungen darf hoch-
, f s .
stens = e —- sein, soll die Scheibe das Kabel mitnehmen, (e = 2,718 ; f = Reibungs-
coefficient = 0,06 für getheerte Kabel, r — Halbmesser der Scheibe.) Ist dieses Verhältniss
gross, so muss das Kabel mehrere Male um die Trommel geschlagen oder der Reibungs-
coefficient vergrössert werden. Das letztere Mittel ist aber nachtheilig für die Kabel.
Da die Kosten der Kabelbahnen viel geringer sind als die anderer Systeme, so kann
man für die Construction grössere Opfer bringen. Es werden denn auch verschiedene Hilfs-
mittel zum Betrieb angewendet. So hat man z. B. für die Linie Lausanne-Ouchy zur
Erlangung der nothwendigen Wasserkraft einen 14 km langen Kanal gegraben, für die Linie
Bienne-Maccolin pumpt eine Maschine das Wasser fortwährend nach einem 450 m höher
belegenen Reservoir; der Motor für die Bürgen - Stockbahn ist ein Dynamo, welcher auf
dem höchsten Punkt aufgestellt ist und durch die in Electricität umgesetzte Energie eines
in 4km Entfernung liegenden Bergstromes getrieben wird u. s. w. Die grosse Verschieden-
heit in der Situation und in den Hilfsmitteln für die Bewegung macht eine Vergleichung
der Anlagekosten für 1 km für die verschiedenen Kabelbahnen nicht möglich, jeder Ent-
wurf erfordert eine ganz selbstständige Studie.
Die Geschwindigkeit der Kabelbahnen ist meistens gering, z. B. 2 bis 4 m in einer
Sekunde auf schwachen und 1 bis 1,5 m auf starken Steigungen von 30 bis 60:100. Die
Tarife sind sehr veränderlich und hängen grösstentheils von dem Verkehr ab, doch auch
von der grösseren oder geringeren Concurrenz mit anderen Verkehrsmitteln.
Vautier zieht aus seinen Studien den Schluss, dass Kabelbahnen nicht gefährlicher
sind als andere Systeme; dass die Träfe oft schwieriger ist, und dass die Zusammen-
stellung der Züge wie die Wegeübergänge mehr Mühe verursachen; dass dagegen Kabel-
bahnen oft das einzige Mittel sind, um grosse Höhen zu überwinden und auf billige Weise
Wasserkraft zur Bewegung benutzen zu können, und dass deshalb beim Entwerfen von
Bahnen auch Kabelbahnen unter gewissen Umständen für eine Vergleichung mit anderen
Systemen in Betracht kommen.
(Aus: Tydschrift v. h. Koninklyk Institut v. Ingenieurs
v. 12. Septbr. 1892. S. 13—15.)

XYI.
Nachtrag zu dem Aufsatze „Die öffentlichen Verkehrswege in Wien“.
Von Ober-Ingenieur Rudolf Ziffer in Hainfeld.
Seit dem Zeitpunkte als ich den vorstehenden Bericht erstattete, wurde die von der
Regierung eingebrachte Gesetzes-Vorlage betreffend die Ausführung der öffentlichen Ver-
kebrsanlagen in Wien von den beiden Häusern des Reichsrathes in der vorgeschlagenen
Passung angenommen und das Gesetz unter dem 23. Juli 1802 promulgirt.1)

i) Siebe R.-G.-Bl. No. 109.
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