Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

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DIE KLEINBAHN-PROJECTE IM KREISE SOEST.

Von grosser Bedeutung ist dabei, dass der Kreis Soest ein aussergewöhnlich
reich ausgebautes Netz vorzüglicher Kreis- und Provinzialstrassen besitzt, die im Wesent-
lichen ohne Weiteres für den Bau der geplanten Kleinbahnen zu benutzen sind und durch
deren Vorhandensein die Kleinbahnen mit verhältnissmässig geringen Mitteln hergestellt
werden können.
Nur auf diesem Wege dürfte es möglich sein, die vielen geplanten
Linien zur Ausführung zu bringen und dadurch auch die mehr ab-
gelegenen Gegenden des Kreises in den grossen Verkehr zu ziehen und
sie somit wirtschaftlich zu heben, während dies finanziell als aus-
geschlossen betrachtet werden muss, wenn man die Bahnen mit nor-
maler Spurweite auf eigenem Planum bauen wollte.

III. Land, Leute und Verkehr.
Die Bevölkerung des Kreises Soest ist vorwiegend eine Landwirtschaft treibende
und nur in verhältnissmässig geringem Maasse ist zur Zeit die Industrie entwickelt,
während in den benachbarten Kreisen flamm, Beckum und Arnsberg eine zum Theil
sehr lebhafte Industrie vorhanden ist.
Dass sich nach Herstellung der geplanten Kleinbahnen die industrielle Thätigkeit
im Kreise Soest immer mehr entwickeln wird, dafür bürgen u. A. die z. B. im
Möbnethal vorhandenen Wasserkräfte und Steinbrüche, deren genügende
Ausbeutung nur deshalb nicht stattfindet, weil es an billigen Transportmitteln fehlt.
Ebenso wird der Rübenbau sich nach Herstellung der geplanten Kleinbahnen
zweifellos bedeutend entwickeln, wie auch die, im Kreise weniger stark vertretene, Forst-
wirtschaft ihren Nutzen von den Bahnen haben dürfte.
Wenn auch, da es sich um „Kleinbahnen“ handelt, also von einem „Durch-
gangsverkehr für Wagenladungsgüter“ abgesehen werden muss, denn diesen zu
bewältigen ist Aufgabe der Haupt- und Nebenbahnen, so dürfte sich doch auf den ge-
planten Kleinbahnlinien ein nicht unbedeutender Güterverkehr entwickeln:
1. von den verschiedenen Hauptbahnen in das Innere des Kreises,
2. aus dem Inneren des Kreises an die Hauptbahnen,
3. im Kreise selbst; endlich
4. ist an verschiedenen Orten, z. B. Soest, Werl, Hamm, Neheim ein
nicht unbedeutender, rein örtlicher, Verkehr von und nach dem Bahnhofe zu
bewältigen, was heute auf dem primitivsten Wege mittelst Fuhrwerk
erfolgt. —
Was den Personenverkehr anbelangt, so ist die Beweglichkeit des Sau er-
länder s zur Genüge bekannt und wenn auch der Münsterländer mehr sesshafter ist,
so unterliegt es doch kaum einem Zweifel, dass ein äusserst reger Personenverkehr sich aut
den geplanten Kleinbahnen entwickeln wird, sobald inan durch billige Verkehrsmittel der
Bevölkerung mehr Gelegenheit giebt in die benachbarten Städte gelangen, ihrem Verdienste
nachgehen und ihre Ein- und Verkäufe bei den Geschäftsleuten besorgen zu können.
Je mehr deshalb die Kleinbahnen die einzelnen Ortschaften, selbst auf die
Gefahr grösserer Länge hin, mit den benachbarten Städten in Verbindung bringen,
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