Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Seite: 17
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DREI STRASSENBAHNEN. — DIE OLDENBURGER STRÄSSENBAHN.

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II.
Drei Strassenbahnen.
Von Kuhrt, Eisenbalin-Dircctor in Flensburg.
(Mit vier lith. Tafeln II/VIII.)
Die Strassenbahnen in Oldenburg, Schleswig und Flensburg bieten bezüglicli ihrer
Anlage und ihres Betriebes manches Absonderliche und Lehrreiche, sodass es einiges
Interesse bieten dürfte, das Schicksal dieser drei Unternehmungen kennen zu lernen.
I. Die Oldenburger Strassenbalin.
Es war zu Anfang der achtziger Jahre, um welche Zeit in den grösseren Städten
Deutschlands die Strassenbahnen leidliche Resultate erzielten, als sich die „Gründung“
darüber hermachte, auch den kleineren Städten die Wohlthat einer Strassenbahn-Anlage
zugänglich zu machen. Als Reclameschild diente der Erfolg der Strassenbalin in der
Grosstadt.
Es entstanden um diese Zeit die Strassenbahnen in Flensburg, Kiel, Lübeck, Rostock,
Cöpenik, Braunschweig, Görlitz, Potsdam, Crefeld, Duisburg u. s. w., sowie auch in Olden-
burg im Grossherzogthum.
Und genau in derselben Weise, wie heute die Kleinbahn, galt damals die Pferdebahn
als passendes Speculationsobject für Projectenmacher, Speculanten und Börsianer, am bei der
Gründung und dem Bau derselben möglichst viel zu verdienen. Mit dem Betriebe wollte
auch damals keiner der gedachten Unternehmer der Strassenbahnen etwas zu thun haben,
wie es auch heute bei den Gründern der Kleinbahnen im Allgemeinen der Fall ist, in der
richtigen Erkenntniss, dass es hei dem Betriebe dieser Unternehmungen der Regel nach
nichts zu speculiren und daher auch nichts zu verdienen giebt.
Damals, wie heute, suchte man die Last der Betriebsverwaltung auf den abzuwälzen,
der im Grunde genommen auch die Last des Baues, resp. des Anlagekapitals getragen
hatte, d. i. auf die Gemeinde, in denen das Unternehmen belegen resp. auf die Interessenten,
die direkt oder indirekt mit demselben verknüpft waren. Aus den vielen finanziell voll-
ständig Schiffbruch erlittenen Strassenbalin - Unternehmungen kleinerer Städte hätte man
lernen können für die gegenwärtige Aera der Kleinbahnen, dass solche kleine, rein locale
Verkehrs-Institute, keine Gründungsobjecte sind, und wo sie zu solchen gemacht werden,
sie ihren Beruf meistens verfehlen; statt eine Wohlthat für die Interessenten zu
sein, sind sie unpopulär und zur Last geworden, da sie in ihrer finanziellen Noth den
billigsten Anforderungen des Publikums nicht gerecht werden können.
In der Regel schon während des Baues oder gleich nach Fertigstellung des Unter-
nehmens suchten aus demselben die Gründer eine Actien-Gesellschaft zu bilden, um bei
dieser Umwandlung mit dem Gewinn davon zu gehen, wogegen die zurückgelassenen
Werke in Kümmerniss ihr Dasein zu fristen hatten. In diese Kategorie fällt unter anderen
die Flensburger Strassenbalin. In einzelnen Fällen ist indessen die Gründung einer
solchen Actien-Gesellschaft missglückt, und damit dann meistens das ganze Unternehmen
zugleich verunglückt. Hierher gehört die Oldenburger Strassenbalin.
Die Geschichte der Oldenburger Strassenbalin, von ihrer Gründung, bis zu ihrem
Abbruch, ist ein Wirrwar von Unkenntniss, Leichtsinn und Zerfahrenheit, sodass es einiger-
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1894. 3

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