Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

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DREI STRÄSSENBAHNEN.

nach demselben Fahrplan durchgeführt werden, wie Jansen und Ovye denselben ein-
gerichtet hatten.
Der Vertrag sollte für 2 Jahre gelten und mit 2 monatlicher Kündigungsfrist nach
dieser Zeit.
Eine Caution konnte nicht gestellt werden, da die Pächter vollständig mittellose Leute
waren; sie boten daher auch keinerlei Gewähr für die prompte Erfüllung der Vertrags-
verpflichtungen.
Die neuen Pächter waren Leute, welche mehr dem Arbeiterstande angehörten, von
kleinlicher Auffassung, denen der weite Blick für eine grössere Geschäftsführung voll-
ständig abging, und war daher keine Aussicht vorhanden, das von der Mittelmässigkeit
und Einfalt erreicht und gesichert zu sehen, was intelligenten und erfahrenen Fachmännern
nicht zu erreichen möglich gewesen war, nämlich die Prosperität und Rentabilität des
Unternehmens.
Das Regime der Herren Brunken und Eilers gleicht denn auch dem reinen
Hexensabbat!]. Disciplinlosigkeit im Personal, welches hauptsächlich auch zuerst für sich
sorgte, Creditlosigkeit bei Beschaffung von Fourage und anderen Bedarfsartikeln, verfallene,
abgemagerte Pferde, unsaubere, an allen Ecken beschädigte Wagen, mit denen kein an-
ständiger Mensch mehr fahren konnte, war die Signatur dieser Betriebsperiode.
Es kann nicht der Zweck dieses Artikels sein, im Einzelnen die Kreuz- und Querzüge
mitzutheilen, die aus dieser Zeit berichtet werden; es mag genügen zu sagen, dass die
besten Münchhausiaden und gewagtesten Jagdgeschichten nicht hinreichen an die Tages-
geschichten der Oldenburger Pferdebahn aus der Betriebsperiode Brunken und Eilers.
Das finanzielle Resultat dieser letzten Epoche war trostloser wie die vorigen und
statt die vereinbarte Pacht zu erhalten, musste Herr Lind allmonatlich Zuschüsse leisten,
um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Schliesslich wurde zum 3. und letzten Male, und
zwar, wie bereits bemerkt, am 28. November 1888 der Betrieb aufgegeben. Herr Lind
hatte bis dahin nach folgender Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben:

1888.
Einnahmen.
Ausgaben.
1. Januar ....
Mk.
1826,25
Mk.
1752,69
2. Februar ....
V
1493,92
71
1857,11
3. März.
J)
1135,20
n
2295,27
4. April.
71
1866,58
7)
2190,94
5. Mai.
n
2542,49
7)
2848,15
6. Juni.
n
2784,55
71
2915,00
7. Juli.
V
2584,82
V
2355,79
8. August . . . .
n
2764,63
7)
2588,67
9. September . . .
7)
1829,15
7!
2520,60
10. October ....
7)
1101,82
7)
1624,98
11. November . . .
71
802,55 ,
V
1672,30

Mk. 20 731,96 Mk.24621,50
3889 Mk. 54 Pf. haare Zuschüsse an Brunken und Eilers geleistet, sodann eine
Rechnung von reichlich 800 Mk. für übernommene Fourage von Jansen und Ovye bei
Eröffnung des Betriebes und endlich eine von den Pächtern hinterlassene Schuld von circa
2000 Mk. zu begleichen.
Die 24 elenden und heruntergekommenen Pferde wurden mit grossem Verluste zu
einem Spottpreise losgeschlagen. Mit allen Spesen und Gerichtskosten — denn an Pro-
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