Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Seite: 29
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DIE SCHLESWIGER STRASSENBAHN.

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zessen fehlte es inzwischen auch nicht — kann man annehmen, dass Herr Lind bis zur
Einstellung des Betriebes rot. 60000 Mk. an dem Unternehmen verloren hatte. Einnahmen
hat der Herr Lind aus demselben nicht gehabt, denn selbst die Subvention der Stadt
Oldenburg war nicht gezahlt worden, da diese für die während der Betriebsperiode von
Mai 1887 bis November 1888 seitens des Stadtbauamts für Pflasterungsarbeiten gänzlich
verbraucht worden war. Ueber diesen Punkt entspann sich allerdings noch ein weitläufiger
Prozess zwischen Herrn Lind und der Stadt Oldenburg. Letztere klagte, anstatt die Sub-
vention auszukehren, auf Zahlung von reichlich 1100 Mk. für verauslagte Pflasterungs-
kosten. Das Gericht entschied in II. Instanz zu Güsten des Herrn Lind, wonach die
Ausgaben für Pflasteruuterhaltung durch die zurückbehaltene Subvention compensirt sei.

Die bei Wiedereröffnung des Betriebes nach dem Abkommen vom 27. September 188G
hinterlegte Caution von 5000 Mk. ging Herrn Lind jetzt auch verloren, da diese vertrags-
mässig der Stadt zufallen sollte, wenn der Betrieb wieder eingestellt würde. Wenn die
Annahme berechtigt ist, dass Herr Lind die Oldenburger Pferdebahn für die Summe er-
worben hat, für welche sie Ehlers aus der Liquidation erwarb, so stand dem Herin Lind
das Unternehmen jetzt wieder, unter Hinzurechnung der aufgewendeten 60,000 Mk. mit
115000 Mk. zu Buch. Mehrfach gescheiterte Bemühungen des Herrn Lind, das Unter-
nehmen auf neuer Basis in Betrieb zu bringen, welche Bemühungen, besonders in Folge
der wiederholten Aufforderung der Stadt Oldenburg, den Betrieb wieder aufzunehmen, unter
Androhung der Vollziehung der in der Concession und in dem Vertrage vom 27. September
vorgesehenen Strafbestimmungen, eifrigst betrieben wurden, drängten schliesslich den Be-
sitzer zum Verkaufe der ganzen Bahn um jeden Preis.

Da indess auch die Kauflustigen spärlich waren, wurde zunächst das ganze Inventar
nebst den bereits genannten, niemals zur Verwendung gekommenen, 6 Güterwagen aus der
Fabrik Skandia, in öffentlicher Auction am 11. Juli 1889 verschleudert. Das Auctions-
protocoll weist 67 Nummern auf, und wurden nach demselben die Büreaueinrichtuug,
Hufschmiedeausrüstung, Stallutensilien, 15 Pferdegeschirre und Uniformstücke für die ge-
ringfügige Summe von 382 Mk. 90 Pf. veräussert und erhielt Herr Lind, nach Abzug
der Unkosten aus diesem Verkaufe, 296 Mk. 16 Pf. für eine Ausrüstung, die ursprünglich
2000 Mk. gekostet hatte. Aus dem Verkauf der Güterwagen wurden, wie bereits an anderer
Stelle mitgetheilt, 500 Mk. erzielt. Den Best der Oldenburger Pferdebahn verkaufte Herr
Lind schliesslich an die Schleswiger Strassenbahn A. G. in Schleswig, worüber das Nähere
in dem folgenden Kapitel enthalten ist.

II. Die Schleswiger Strassenbahn.

Als im Jahre 1881 die Stadt Flensburg durch die Gründer Techow und Gülich
mit einer Strassenbahn beglückt worden war — Kiel hatte einige Jahre früher bereits
eine solche Anlage erhalten — glaubte Schleswig nicht zurückstehen zu sollen bezüglich
einer solchen Verkehrsverbesserung und da war es ebenfalls der Unternehmer Gülich,
der die Gründung einer Pferdebahn in Schleswig mit einem Actienkapital von 250000 Mk.
versuchte.

Die Gründung wurde vereitelt durch einige einsichtsvolle Männer, die sich überzeugt
hielten, dass das Unternehmen 70000 Mk. billiger hergestellt werden könnte, als Gülich
dafür verlangte. An der Spitze der letzteren Stand der Kaufmann H. M. Feddersen
und dieser versuchte nunmehr, eine Actien-Gesellschaft aus Bürgern der Stadt zu bilden,
wobei er sich verpflichtete, für einen Aufwand von 180000 Mk. das Unternehmen in 5 km
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