Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Page: 33
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DIE SCHLESWIGER STRASSENBAHN.

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in die Weser, von dort in die Nordsee, Eider, den Eiderkanal, die Kieler Bucht, Ostsee
und Schlei — wurde Anfangs Mai mit dem Wieder verlegen in Schleswig-Altstadt begonnen
und die Arbeit so gefördert, dass am 5. Juli desselben Jahres der Betrieb eröffnet werden
konnte. Zu erwähnen wäre noch, dass die Pferdebahn in der Langenstrasse die Eisenbahn
nach Süderbrarup und auf dem Gottorper Damm die Schleibahn im Niveau kreuzt, für
welche Kreuzungen späterhin Hartgussherzstücke vom Grusonwerk in Magdeburg beschafft
worden sind.
Der Fahrplan wurde in Schleswig zunächst so festgesetzt, dass auf der 3,7 km langen
Linie Bathhausmarkt-Taubstummeninstitut halbstündlich ein Wagen von jedem Endpunkte
abgelassen wurde; die Fahrt dauerte ca. 25 Minuten mit Ruhepausen von 5 Minuten an
den Endpunkten. Für diese Linie waren die Oldenburger Wagen mit neuen Achsen ver-
sehen, und in nichtauslenkbare Wagen umgewandelt worden; hierdurch war jedoch die Anlage
einer Kreuzungsweiche in der Mitte dieser Hauptlinie erforderlich.
Ausser diesem halbstündlichen Wagenbetrieb fuhr vom Rathhausmarkte ab zu jedem
ankommenden und abgehenden Zuge der Staatsbahn in Friedrichsberg ein Zweispänner-
Wagen, welcher ungefähr dieselbe tägliche Tourenzahl zurücklegte, als die Wageu der
Hauptlinie, sodass im Ganzen ein viertelstündiger Betrieb eingerichtet ward.
Da die Fahrten des Bahnhofswagen, der auch Gepäck beförderte, nicht mit der Pünkt-
lichkeit herzustellen war, wie die sonst coursirenden Strassenbahnwageu, indem, wie bereits
oben für die Oldenburger Strassenbahn ausgeführt, die Abfahrt des ersteren von dem Ein-
treffen der Eisenbahnzüge und der Zahl der Passagiere und deren Gepäck beeinflusst wird,
so wurde derselbe mit auslenkbarem fünften Rade belassen, womit derselbe in Oldenburg
die Bahn befahren hatte. Mit dieser Einrichtung kann der Bahnhofswagen also an jeder
beliebigen Stelle den sonst laufenden, mit festen Achsen verseheuen Wagen der Haupt-
linie ausweichen, welches für die Regelmässigkeit des Betriebes von grosser Bedeutung ist.
Nachdem sich in dem ersten Betriebsjahre herausgestellt hatte, dass in einzelnen Tages-
stunden, und besonders auch an Markttagen, ein grösseres Fahrbedürfniss vorlag, als durch
den eingerichteten Betrieb zu befriedigen war, so wurde im August 1891 dazu geschritten,
durch Einlegung von weiteren 2 Weichen den viertelstündigen Betrieb auf der Hauptlinie
zu ermöglichen.
Nachdem schliesslich noch als Depot ein schönes Anwesen am Rathhausmarkte er-
worben und mit neuen Stallungen und Wagenremise versehen war, stellten sich nach der
Bilanz pro 1891/92 die Gesammt-Anlagekosten der Schleswiger Strassenbahn auf 162875 Mk.
58 Pf. Das Gewinn- und Verlustconto schliesst für dasselbe Jahr in Einnahme und Aus-
gabe mit 40544 Mk. 56 Pf. ab, in welcher Summe 5609 Mk. 41 Pf. als Bruttogewinn
verzeichnet stehen. Letzterer wurde wie folgt vertheilt:
31U°I0 Dividende für 96000 Mk. Actien . . 3360,00 Mk.

5 °/0 zum Reservefonds. 280,47
2 °/0 an den Aufsichtsrath.112,19
1 °/0 an die Direction. 56,09
Abschreibungen.. . . 1800,66 „

Zusammen wie oben . . 5609,41 Mk.
Die Lebensfähigkeit dei Strassenbahn in Schleswig und damit der bereits genannte
Erfahrungssatz, dass nicht die Einwohnerzahl der Stadt allein, sondern in erster Linie
das Fahrbedürfniss bestimmend für die Prosperität einer Strassenbahn ist, wäre damit erwiesen.
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbalinen. 1894. rt
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