Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Seite: 34
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DREI STRASSENBAHNEN.

III. Die Flensburger Strassenbahn.

Am 8. Januar 1881 wurde den Unternehmern E. Techow und C. Giilich die Con-
cession zu einer Strassenbahn in Flensburg seitens des Magistrats auf 25 Jahre ertheilt,
und bereits am 8. Mai desselben Jahres konnte der Betrieb der Bahn mit 2 Wagen, am
10. Mai mit 4 Wagen und am 1. Juni im vollen Umfange nach dem festgetzten Plane
mit 6 Wagen erölfnet werden.
Zunächst war die in der Concession genannte Linie Angelburgerstrasse - Siidermarkt,
Kattsund, Holm, Grosse Strasse, Norderstrasse und Neustadt bis zur Apenrader Chaussee
in Länge von 2,5 km ausgebaut. Die Unternehmer besassen jedoch ausserdem die Vor-
concession für alle übrigen Strassen der Stadt.
Der Anfangspunkt der Bahn in der Angelburgerstrasse (siehe Stadtplan Taf. VII/VIII)
liegt mitten im südlichen Stadttheile und war sehr günstig gewählt, da hier der Verkehr von
allen Seiten zusammenströmt. Der Endpunkt an der Apenrader Chaussee entbehrt jedoch
dieses Vorzuges, er ist ein sogenannter todter Punkt, an dem ein sehr geringer Verkehr —
mit Ausnahme der Sonn- und Festtage — vorhanden ist. An letzteren bringt nämlich
das nahe gelegene Etablissement „Ostseebad“, namentlich in den Sommermonaten, eine
recht bedeutende Anzahl Fahrgäste für die Pferdebahn. Im Allgemeinen waren die Vor-
bedingungen für eine gute Prosperität dieses Unternehmens nicht vorhanden und erst
mit dem weiteren Ausbau der .Neustadt“ wird die Rentabilität der Strassenbahn sicli
allmählich verbessern.
Der normalspurige Oberbau der Bahn wurde mit sehr leichten Schienen nach System
Iveiffler hergestellt; derselbe ist nicht empfehlenswerth und nur für sehr leichte Betriebs-
mittel verwendbar. Die Schienen haben ein Gewicht von 11,5 kg pro Meter und sind
mittelst Nägeln auf hölzernen Langschwellen befestigt. Da die Bahn nur eingleisig erbaut
wurde, waren für die Kreuzung der Wagen 5 Weichen erforderlich, von denen 2 an den
Enden und 3 gleichmässig auf der Strecke vertheilt waren.
Die Steigungsverhältnisse sind im Ganzen günstige und nur auf einer kurzen Strecke
beträgt dieselbe 1:24. Die kleinste Curvo hat einen Radius von lß Meter. Die Wagen
lieferte die Wagenbauanstalt Brau dt-Berlin; sie waren gewöhnlichster Art und bieten
nichts Bemerkenswerthes.
Für eine Verbindung nach dem circa 3 km vom Endpunkte der Bahn belegenen Bade-
orte Wassersleben wurde eine Omnibuslinie hergestellt, für welche zunächst ein Wagen
beschaflt wurde. Diese Omnibuslinie wurde jedoch, wie wir hier gleich bemerken wollen,
wegen mangelnder Frequenz nach einigen Versuchen wieder eingestellt.
Als Depot wurde ein Grundstück an der Apenrader Chaussee erworben, welches für
das Unternehmen sehr günstig belegen war.
Bevor die Flensburger Strassenbahn dem Verkehr übergeben wurde, war dieselbe von
den Gründern mit verhältnissmässig gutem Erfolge in eine Actien-Gesellschaft umgewandelt
worden, bei welcher Gelegenheit folgende Bilanz aufgestellt wurde:

A. Activa.

1. Bahnkörper
2. 8 Wagen
3. 30 Pferde
4. Bekleidung

129240,00 Mk
38950,00 „

24714,00 „
2000,00 „

Zu übertragen . . 194910,00 Mk.
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