Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Page: 39
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ELASTISCHER ZUGAPPARAT PUR PFERDEBAHNWAGEN.

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III.
Elastischer Zugapparat für Pferdehahnwagen.
Von Fr. Giesecke.
(Mit einer Abbildung im Texte.)
Die Firma Bässler & To rissen in Düsseldorf-Grafenberg fertigt seit einigen
Jahren einen ihr patentirten elastischen Zugapparat für Pferdebahnwagen an, welcher viel-
fach, namentlich bei der Strasseueisenbahn-Gesellschaft in Hamburg, Eingang gefunden hat.
Der Apparat besteht im Wesentlichen, wie beifolgende Abbildung zeigt, aus einem
doppelarmigen Hebel, an dessen oberem Ende der Zng des Pferdes angreift, während das
untere sich gegen eine lange Feder stützt.
Die an der vorderen Verlängerung der Feder-
führungsstange befindliche Scheibe bildet in
einfacher Weise einen elastischen Pufter und
stellt der Apparat eine combinirte elastische
Zug- und Stossvorrichtung dar.
Die Vorzüge des Apparates sind mehr-
facher Art. Zunächst liegt der Angriffspunkt
des von dem Pferde ausgeübten Zuges höher
als bei anderen elastischen Zugvorrichtungen,
bei denen derselbe sich in der Kegel in glei-
cher Höhe mit dem Perronfussbodeu befindet.
Bekanntlich sollen die Zugstränge des Pferdes
die Steigung des Reibungswinkels haben. Da
der letztere bei Pferdebahnen sehr klein ist, so arbeitet das Pferd am günstigsten,
wenn die Zugstränge fast horizontal sind. In richtiger Erkenntniss dieser Thatsache findet
man den Angriffspunkt des Zuges vielfach höher als Oberkante Perronfussboden gelegt, so
beispielsweise bei den Wagen der Hannoverschen Strassenbahn, bei denen jedoch der grosse
Nachtheil in die Augen springt, dass der Anzug vollständig unelastisch ist. Für die Er-
haltung der Pferde ist die Elastizität der Zugvorrichtung von der allergrössten Bedeutung.
Es leuchtet ohne Weiteres ein, dass die beim Anfahren des Wagens von dem Pferde aus-
zuübende sehr grosse Zugkraft, falls sie unelastisch ausgeübt wird, auf die Dauer viel
nachtheiliger auf das Pferd, besonders auf das Knochengerüst desselben einwirken muss,
als wenn dies vermittelst eines elastischen Zugapparates geschieht.
Der Apparat von Bässler & Torisseu gewährleistet neben dem Vortheile der
günstigsten Steigung der Zugstränge einen sehr elastischen Anzug und ein durchaus stoss-
freies Ingangkommen des Wagens. Ein weiterer Vorzug des Apparates ist die elastische
Stosswirkung desselben. Namentlich in grösseren Städten mit Asphalt- und anderem
glatten Pflaster kommen die Pferde häufig zum Stürzen. Das gestürzte Pferd wird bei
Anwendung des Apparates von der Scheibe des sehr elastischen Puffers getroffen, der
nachschiebende Wagen kommt allmählich zum Stehen und wird dann durch die zusammen-
gedriickte Feder wieder rückwärts von dem Pferde abgeschoben, so dass eine Verletzung
des letzteren nur sehr selten vorkommt.
Der Apparat hat sich während einer mehrjährigen Anwendung gut bewährt und muss als
eine Verbesserung der vielfach unzweckmässigen Zugvorrichtungen angesehen werden. P.
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