Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

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IV.

Rückblicke auf die Feldabahn.
(1877-1893.)
Von W. Hostmann.
I. Vorbemerkung.
Zu einer Zeit, in der die Herstellung billiger Localbahnen — in Preussen „Klein-
bahnen“ genannt — die weitesten Kreise der verschiedensten Staaten und Länder beschäftigt
und die verschiedenartigsten Ansichten auf diesem Gebiete sich geltend machen, dürfte es
von Interesse sein, einen Kückblick zu werfen auf die Entstehung und Verkehrs-
entwicklung derjenigen Bahn, welche neben der Bröltbalbahn (Rheinprovinz) und
der Ocholt-Westersteder-Balin (Grossherzogthum Oldenburg) in Fachkreisen noch
heute als eines der lehrreichsten Beispiele von Schmalspurbahnen in Deutschland gilt, die
44km lange Feldabahn (Grossherzogthum Sachsen-Weimar).
Da die Feldabahn sich nunmehr circa 15 Jahre im regelmässigen Betriebe befindet
(die 20 km lange Strecke Salzungen-Dorndorf-Lengsfeld wurde am 22. Juni 1879 dem
Betriebe übergeben), so geben nicht nur die Betriebsergebnisse, sondern auch die in diesen
15 Jahren stattgehabte Verkehrsentwicklung ein lehrreiches Bild davon, ob und inwieweit
die Hoffnungen und Erwartungen, welche weite Kreise, besonders aber die Grossherzogliche
Regierung in volks wirtli sch aftl ich er Hinsicht an den Bau der Feldabahn geknüpft
hatten, in Erfüllung gegangen sind.
Von Interesse dürfte es ferner sein der vielfachen Anregungen zu gedenken, welche
durch Bau und Betrieb der Feldabahn in technischer Beziehung gegeben wurden,
sowie der vielen Projecte zu Schmalspurbahnen, welche damals entstanden, aber
nur zum Tlieil zur Ausführung gelangten.
Ein solcher Rückblick bietet auch aus dem Grunde für weitere Kreise ein
gewisses Interesse, weil der Verfasser inzwischen Gelegenheit hatte, die vielseitigsten Er-
fahrungen in Projectirung, Bau und Betrieb von Kleinbahnen zu sammeln und deshalb zu
einem Urtheile auf diesem Gebiete berechtigt zu sein glaubt.
Das im Nachstehenden wiedergegebeno statistische Material ist dem Verfasser Seitens
der Localbahn-Actiengesellschaft zu München, welche z. Z. Betriebspächterin
der Feldabahn ist und deren Begründer, die Locomotivfabrik Krauss & Cie. in München,
bekanntlich s. Z. den Muth hatte, den Betrieb der Feldabahn auf eigne Rechnung zu
übernehmen, bereitwilligst zur Verfügung gestellt.
Bei dieser Gelegenheit soll noch darauf hingewiesen werden, dass s. Z. als die Felda-
bahn sich im Bau befand, an einen regelrechten und sicheren Betrieb der Balm, welche
noch obendrein zum Theil im Gebirge liegt und Steigungen bis 1:25 hat, eigentlich
Niemand so recht glauben wollte.
II. Entstehung, Bau und Betrieb.
Was die Entstehung der Feldabahn anbelangt, so war bekanntlich dem
Verfasser Seitens der Grossherzoglich Sächsischen Regierung im Sommer 1877 der Auftrag
Zeitschrift f. Local- u. Strassenhahnen. 1894. 8
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