Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Page: 68
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68 ELEKTRISCHES LÄUTEWERK FÜR KLEIN- UND NEBENBAHNEN.

nur ein wenig gedreht wurde, früher wieder aus dem Schlüsselloch los zu bekommen, ehe
er eine volle Umdrehung gemacht hat. Eine solche volle Umdrehung ist eben erforderlich,
um im Umschalter die Batterieanschlüsse derart regelmässig zu ändern, dass durch die auf-
einanderfolgenden Schlüsselumdrehungen stets abwechselnd der positive Batteriepol zur
Leitung, der negative zur Erde, oder der negative zur Leitung, der positive zur Erde an-
geschlossen wird. Bei der ersten Aufstellung werden nun die beiden Umschalter so ange-
ordnet, dass an allen zwei Signalstellen die Batterie mit dem gleichen Pol zur Leitung
anschliesst. Da die beiden Batterien gleich stark gewählt werden, so heben sie sich bei
dieser Gegenschaltung auf, und die Leitung bleibt stromlos, unter welchem Verhältnisse
auch die beiden Läutewerke nicht thätig sein können, sondern schweigen. Würde nun
ein Zug, bezw. ein Fahrzeug in die eingleisige Strecke einfahren sollen und an der davor
liegenden Haltestelle angelangt sein, so begiebt sich der Führer zum Läutewerk und dreht
daselbst seinen Schlüssel im Umschalterkasten einmal herum. Dadurch hat er den Pol-
scliluss der betreffenden Linienbatterie so gewechselt, dass sie ihren Strom nunmehr im
gleichen Sinne wie die Batterie der zweiten Signalstelle, in den Schliessungskreis sendet.
Die Ströme der beiden Batterien sind also gleichgerichtet; sie addiren sich und bringen
gemeinsam die beiden Läutewerke in Thätigkeit. Der Zug durchfährt nun die Ausnahms-
strecke und hält sodann auf der jenseitigen Haltestelle auf seinem richtigen Gleise; der
Zugführer geht auch dort wieder zum Läutewerk und ändert daselbst in der gleichen
Weise, wie vorher bei der Einfahrt, den Batterieanschluss mittels seines Schlüssels. Die
Batterien werden dadurch einander auf’s Neue entgegengeschaltet und können keinen Strom
geben; an beiden Signalposten hört also auch das Läuten wieder auf. Die einfache
Drahtleitung, welche die beiden Läutewerke verbindet, das einfache Schlüsselloch an
jedem Posten, reichen für alle beiden Zugsrichtungen hin und ebensowohl für den Fall,
dass ein aus der eingleisigen Strecke zurückschiebender Zug das Läuten abstellen soll.
Mag ein Zug von rechts oder links kommen, so hat der Zugführer stets vor der Einfahrt
die Läutewerke mit Hilfe seines Schlüssels in Gang zu setzen und nach der Ausfahrt in
gleicher Weise wieder abzustellen; würde er sich dabei etwa irren, indem er den Schlüssel
ein zweitesmal umdreht, so lässt sich das durch eine dritte Schlüsselumdrehung wieder
ohne weiters berichtigen. Die Zugführer haben im Grunde genommen hei der Signalgebung
gar nichts anderes zu überlegen, als dass die Läutewerke vor der Zugseinfahrt in Gang
gesetzt, d. h. läuten gemacht und nach der Ausfahrt wieder schweigen gemacht werden
müssen; selbstverständlich muss für sie das Läuten ebenso strenge als Haltesignal gelten,
wie auf Vollbahnen der auf Halt stehende Flügel des Blocksignalmastes. Signalfälschungen
durch atmosphärische oder terrestrische Einflüsse sind bei dieser Verwendungsform voll-
ständig ausgeschlossen; ebenso kann auch dann, wenn etwa die Leitung reissen oder die
Batterie schadhaft werden würden, nichts weiteres erfolgen, als dass die Gefahrstellung
selbstthätig eintritt, d. h. dass die Läutewerke läuten, obwohl sich gar kein Zug in der
eingleisigen Strecke befindet. Die Zugführer können sich jedoch, wenn sie etwa einmal
ausnahmsweise lange auf Einlass warten müssen, und das Läuten über eine bestimmte Zu-
wartezeit hinaus nicht aufhört, ohne Schwierigkeit überzeugen, ob diese Erscheinung durch
einen Fehler der elektrischen Einrichtung herbeigeführt wird oder nicht. Um dies fest-
zustellen, haben sie ihren Schlüssel im Umschalterschlosse zweimal umzudrehen und zu
beobachten, ob dabei das Läuten vorübergehend anfhört oder nicht. Ersterenfalls ist die
Anlage in Ordnung und muss angenommen werden, dass ein Zug auf der eingleisigen
Strecke liegen geblieben ist oder ausserordentlich langsam fährt, anderenfalls muss auf
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