Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

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LITERATURBERICHT.

ALLGEMEINES.

balm-Gesellscliaft ihre Lebensfähigkeit erst erlangt, nachdem sie drei Millionen Mark (das
Doppelte ihres Grundvermögens) dargeliehen erhalten hat. Aber auch für ergiebige Unter-
nehmen ist der Darlehnsweg der einzige, wodurch die Ausführung minder ertragversprechender
Zweigbahnen zu erreichen ist. Würde z. B. die Grosse Berliner Pferdeeeisenbahu-Actien-
gesellschaft ihren ganzen Geldbedarf durch Erhöhung des Grundvermögens haben decken
müssen, so würde sie auf dasselbe kaum 8°/0 Gewinn statt 12 1/2°/0 haben vertheilen können;
denn 1893 warf ihr Betrieb zu Gunsten der im Unternehmen arbeitenden 37100000 Mk.
den Betrag von 2 937 500 Mk. ab. Hiervon genügten 800000 Mk. zur Verzinsung von
20000000 Mk. Darlehnsschuld, sodass 2137500 Mk. zur Vertheilung für das Grund-
vermögen verblieben sind. Wollen also die Vermögensbetheiligten ihre Gewinnsaussichten
nicht schmälern, so müssen sie auf den weiteren Ausbau verzichten, sobald derselbe weniger
abwerfen als der Betrieb einschliesslich der Zinsen für das aufzunehmende Kapital kosten
würde. Insofern nun die meisten ihrer Verwirklichung harrenden Bahnen oder Bahn-
erweiterungen zu den minder ergiebigen zu rechnen sein werden, ist es als ein geschickter
Ausweg der Staatspolitik zu bezeichnen, für Hebung der Sicherheit der Balmpfaudgläubiger
zu sorgen, um dadurch einen reichlicheren Geldzufluss für den Bahnbau und den schnelleren
Ausbau der fehlenden Bahnnetztheile zu betreiben.

Literaturbericlit.
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a) Allgemeines.
I. Gesetze, Verordnungen und Entscheidungen von Gerichten.
Die Aufgabe der Verwaltung beim Bau von Nebenbahnen. Der sehr ausführliche Aufsatz des
Reg.-Rath Pannenberg giebt eine Zusammenstellung der die administrative Mitwirkung beim Bau von
Nebenbahnen bildenden Geschäfte und damit einen allgemeinen Ueberblick über die Entwickelung eines
Bahnbaues und enthält viele für den Techniker sowohl wie für den Unternehmer wichtige Fingerzeige.
(Archiv 1893, S. 991. — Zeitschr. f. Transportw. 1894, S. 10 u. ff.)
Der Begriff „Anlagecapital“ bei Eisenbahnen. Dieser bei der Verstaatlichung einer Privathahn,
wenn solche nach dem Aniagecapital erfolgt, sehr wichtige Begriff wird in dem Aufsatz dahin festgestellt,
dass das Anlagecapital nicht gleich ist dem wirklich veranlagten Capital (d. s. die eigentlichen Bau-
kosten, die direkt für Herstellung der Bahnanlagen und zur Beschaffung der Betriebsmittel erforderlich
waren, die Kursverluste, Bauzinsen u. s. w., aber abzüglich der Kursgewinne, der Verwendung aus Betriebs-
mitteln, der Zinsen der Capitalien und der Subventionen), sondern dass es der Kaufpreis ist, zu
dessen Aufwendung der Staat zum Zwreck der Erwerbung der Bahn genöthigt ist. — Folgerungen daraus
z. B. in dem Falle, dass bei einer neuerbauten Bahn manche Bauten erst nach der Betriebseröffnung zur
Ausführung kommen, öder bei Verlegung eines Bahnhofes lediglich aus Betriebsrücksichten und i. a. in.
siehe (Zeitg. d. Vereins D. Eisenb.-Verw. 1893, S. 869.)
Kein Anspruch der EisenballnVerwaltung auf Ersatz der durch den Uebcrgang eines öffent-
lichen Weges für sie aus der Anlage, Unterhaltung und Bewachung desselben erwachsenen Kosten,
wenn der Weg bereits bei Anlegung der Eisenbahn ein öffentlicher war. Urtheil des Reichsgerichts
vom 9. Januar 1892. (Zeitschr. f. Transportw. 1893, S. 488.)
Kleinbahnen. Unterm 23. October 1893 hat der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten bestimmt,
dass die dem Gesetze vom 28. Juli 1892 unterliegenden Klein- und Privatanschlussbahnen als zum Bezirke
desjenigen Eisenbahn-Betriebsamtes gehörig anzusehen sind, welches hinsichtlich des betreffenden Unter-
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