Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Seite: 115
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X.

Ueber den Betrieb der Kleinbahnen.
Von W. Hostmann.
Da von einer verständigen, sachgemässen und sparsamen Einrichtung und sorgsamen
Handhabung des Betriebes der eigentlichen Kleinbahnen, bei denen es sich häufig zunächst
um die Beförderung kleiner, häufig aber auch ganz erheblicher, Verkehrsmengen handelt,
das Gedeihen sowie der finanzielle Effect ganz wesentlich abhängt, so mögen darüber die
folgenden Ansichten, welche der Verfasser in langer und vielseitiger Praxis im Betriebe
von Kleinbahnen unter den verschiedensten Verhältnissen gewonnen hat, hier Platz finden.
So einfach sich der Betrieb einer Kleinbahn auch ansieht, so viel Schwierigkeiten
bietet es, denselben in der That wirthschaftlich und technisch zweckentsprechend und zu-
gleich so billig wie möglich zu organisiren und durchzuführen, da die Zwecke und der
Verkehr der Kleinbahnen so sehr verschiedenartig sind; es muss deshalb diejenige Be-
triebseinrichtung als die beste bezeichnet werden, welche es versteht, bei Aufwendung der
geringsten Kosten, sich den jeweiligen Verkehrsverhältnissen und den Bedürfnissen desselben
am Innigsten anzuschmiegen.
Die erste Anforderung, welche an einen geordneten Betrieb gestellt werden muss,
besteht in absoluter Betriebssicherheit und kommt deshalb auf die Wahl des
Oberbau-Systemes und der Betriebsmittel ausserordentlich viel an, denn nicht nur die Be-
triebssicherheit, sondern auch die Höhe der Betriebskosten werden durch diese beiden Fac-
toren ganz wesentlich beeinflusst.
Kräftiger, den Belastungen angepasster und sorgfältig verlegter,
Oberbau, sowie möglichst einfache und solide gebaute Betriebsmittel,
das sind die Vorbedingungen für einen rationellen Betrieb und dort, wo gegen diese Grund-
sätze beim Projectiren und beim Bau verstossen wird, da zeigen sich sehr bald die unaus-
bleiblichen Folgen‘in Gestalt von Betriebsstörungen, Unfällen, sowie unverhältnissmässig
hohen Unterhaltungs- und Erneuerungskosten, durch welche häufig der finanzielle Erfolg
gänzlich in Frage gestellt wird.
Insbesondere bedenklich muss die Verwendung zu leichten Oberbaues erscheinen,
womöglich, wie dies neuerdings häufig empfohlen wird, nicht nur mit einer leichten Schiene,
sondern auch mit leichten eisernen Querschwellen, wie ein derartiger Oberbau wohl für
transportable Bahnen oder Feldbahnen, welche nur zeitweilig ihrem Zwecke
dienen, seine Berechtigung hat.
Dass ein zu leichter Oberbau in einem regelmässigen Betriebe niemals recht zur
Ruhe kommt, sondern sich eigentlich stets in Bewegung befindet und deshalb fortwährende
Stopfarbeiten erfordert, das ist noch nicht das Schlimmste.
Weit bedenklicher und folgenschwerer ist es, dass durch diese unruhige Gleislage,
bei dem jedesmaligen Befahren des Gleises, Erschütterungen stattfinden, welche zur Folge
haben, dass sowohl Schienen, wie Betriebsmittel weit früher, wie sachgemäss zulässig,
* Zeitschrift f. Local- u. Strassenbalinen. 1894. 10

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