Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Page: 117
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ÜBER DEN BETRIEB DER KLEINBAHNEN.

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Wird ein Gleis der Art unterhalten, dass die im Laufe der Zeit sich einstellenden
Mängel stets rechtzeitig beseitigt werden, dann ist die Bahnunterhaltung, voraus-
gesetzt, dass das Verlegen des Oberbaues mit der nöthigen Sorgfalt erfolgt ist, mit ganz
geringen Kosten zu machen, während, wenn dabei nicht die nöthige Aufmerksamkeit herrscht,
die Bahnunterhaltungskosten und die Reparaturkosten der Betriebsmittel, besonders der
Maschinen, leicht eine sehr unerfreuliche Höhe annehmen und häufig dadurch auch noch
mehr oder minder bedeutende Betriebsstörungen und Unfälle hervorgerufen werden.
Es ist deshalb die Auswahl, bezw. die Ausbildung der technischen Betriebsbeamten
von ganz besonderer Bedeutung, da von ihrer mehr oder minder gewissenhaften Führung
die Höhe der Betriebskosten ganz wesentlich beeinflusst wird.
Was den wirtschaftlichen oder kaufmännischen Theil des Be-
triebes anbelangt, so muss hier die grösstmöglichtse Einfachheit und Spar-
samkeit herrschen und die engste Fühlung mit den Verkehrsbedürfnissen der Gegend
und den Wünschen der Interessenten der Bahn angestrebt werden.
Das an sich einfach vorgebildete Personal an Stationsbeamten und Zugführern u. s. w.,
welches zweckmässig aus der Gegend genommen wird, muss möglichst wenig mit schrift-
lichen Arbeiten behelligt, vielmehr müssen diese auf das Nothwendigste beschränkt werden,
so dass der einzelne Beamte seine Thätigkeit soviel wie möglich dem äusseren Dienste
widmen kann.
Die Verwaltung, das Güter- und Tarifwesen, sowie die Buch-
führung muss von einer dazu geeigneten, mehr kaufmännisch vorgebildeten
Persönlichkeit geleitet werden, der Hülfskräfte nach Bedürfniss beigegeben werden
müssen.
In der ganzen Verwaltung muss die grösste Einfachheit und Sparsamkeit herrschen
und es müssen möglichst wenige, aber klare und präcise Instructionen gegeben
werden, so dass jeder Beamte stets genau weiss, was er zu thun hat.
Was das Güter - und Tarifwesen anbelangt, so muss auch dieses so einfach
wie möglich stets dem Charakter des Verkehres der betreffenden Bahn angepasst werden
und wird die Frage der „directen Tarife“ nur von Fall zu Fall zu entscheiden sein.
So angenehm die directen Tarife einerseits auch sind, so bringen sie anderseits doch
auch eine ganze Menge Arbeit mit sieb und es kommt ganz auf die Verhältnisse an, ob
directe Tarife für eine Kleinbahn zweckmässig sind oder nicht, besonders wenn die Hälfte
der Expeditionsgebühren von der anschliessenden Hauptbahn nicht abgegeben wird.
Was endlich die Frage der verantwortlichen Leitung des Betriebes
anbelangt, so dürften hierzu der Regel nach Maschinenbautechniker berufen
sein, denn der werthvollste Theil der Kleinbahnen besteht aus dem Oberbau und den Be-
triebsmitteln, deren sachgemässe und rechtzeitige Instandhaltung von dem grössten Ein-
flüsse ist, nicht nur auf die Höhe der Betriebskosten, sondern auch auf die Betriebs-
sicherheit, eine Thatsache, welche noch viel zu sehr unterschätzt wird!
Ferner untersteht der wichtigste Theil des Betriebes, der ganze Zugbeförderungs-
dienst, speciell dem Maschinentechniker.
Ein tüchtiger Maschinentechniker für die verantwortliche technische Leitung, ein
tüchtiger Geschäftsmann für den Verkehr und die Verwaltung, zuverlässiges und gewissen-
haftes Führerpersonal und Bahnmeister für den technischen Theil des Betriebes, im Ueb-
rigen aber einfache Kräfte für den Stations- und Zugdienst, zu denen häufig Postgehülfen,
Wirthe, die Frauen von Beamten u. s. w. mit herangezogen werden können, — solcher
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