Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

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VERSCHIEDENER TRACTIONSSYSTEME.

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Bei der erwähnten Unzulänglichkeit des vorliegenden positiven Erfahrungsmaterials
kann die Arbeit vorläufig eben nur als Entwurf angesehen werden, und es wird dem
Verfasser lieb sein, die einzelnen Ziffern einer Kritik unterzogen zu sehen, durch welche
genauere Vergleichszahlen sich alsdann hoffentlich später ergeben werden.
Die aufgestellten Ziffern sind lediglich als Verhältnisszahlen anzusehen und
es kommt dabei ihre absolute Grösse wenig in Betracht, welche letztere selbstverständlich
sehr veränderlich ist, je nach dem Ort und den Verhältnissen, für welche die Ziffern berechnet
sind. Bei den Berechnungen sind durchweg Hamburger Verhältnisse und Hamburger
Preise maassgebend gewesen, wobei zu bemerken ist, dass Abgaben, Materialpreise und
Löhne in Hamburg verhältnissmässig hoch sind. Für andere Orte und Umstände berechnet,
werden die absoluten Ziffern sich ändern, das Verhältnis der einzelnen Positionen zu
einander, auf die verschiedenen Tractionssysteme bezogen, wird aber trotzdem annähernd
das Gleiche bleiben.
Den Berechnungen zu Grunde gelegt ist ein Strassenbahn - Unternehmen von
mittlerer Grösse, mit einer angenommenen Jahresleistung von 2 000 000 Wagenkilometern,
einer Betriebslänge von 20 Kilometern, einer Gleiselänge von 40 Kilometern und —
einschliesslich 5 Stück Iteserven — einer Wagenanzahl von 55 Stück für je 30 Personen,
bei Pferde-Betrieb also zweispännige Wagen. Es ist ferner angenommen, dass zum
Betriebe dieser Anlage entweder 500 lebende Pferde, einschliesslich Iteserven, oder drei
Dampfmaschinen ä 200 P.S. nebst drei entsprechenden Dynamomaschinen mit fünf
Dampfkesseln ä 100 P.S. erforderlich sind, wovon eine Dampfmaschine für 200 P.S. nebst
Dynamo und ein Dampfkessel für 100 P.S in Iteserve gehalten werden. Die Gesammt-
Anlagekosten, umfassend Oberbau, Wagen, Grundstücke, Gebäude einschliesslich Werk-
stätten, Bureaux und Dienstwohnungen, ferner Uniformen, Geräthe, Wirthscbaftswagen
und endlich Pferde bezw. Krafterzeugungs-Centralen bezw. Gas-Compressions-Stationen, sind
für je eine Anlage in bezeichneter Grösse wie folgt ermittelt worden:
Anlagekosten für Pferdebetrieb.M. 3000 000,—
desgl. für elektrischen Betrieb mit Oberleitung . „ 3000000,—
desgl. für Betrieb mit Gasmotoren.„ 2800 000,—
Die umstehende Tabelle ergiebt die Betriebskosten pro Wagenkilometer für die drei
verschiedenen motorischen Systeme.
Aus dieser Tabelle ergiebt sich, dass die reinen Zugkosten sich pro Wagen-
kilometer für Pferdebetrieb auf 18,2 Pf., für elektrischen Betrieb auf 7,7 Pf. und für
Gasmotorenbetrieb auf 10,0 Pf. berechnen. Hierzu kommen nun die diversen anderen
Betriebs-Ausgaben ausser Zugkosten, welche ebenfalls abhängig sind von der Tractionsart.
Diese stellen sich am günstigsten für Pferde und am ungünstigsten für Elektrizität, wofür
die hauptsächlichste Ursache zu suchen ist in den höheren Unterhaltungskosten für die
Wagen mit maschineller Ausrüstung gegenüber einfachen Pferdebahnwagen ohne solche. Als
Summe der sämmtlichen von der Tractionsart abhängigen Betriebs-Ausgaben pro Wagen-
kilometer berechnen sich aus der Tabelle folgende Ziffern:
25,0 Pf. für Pferde,
18,5 „ „ Elektrizität,
19,4 „ „ Gasmotoren.
Diese grosse Differenz zu Gunsten des elektrischen Betriebes wird aber wesentlich
abgeschwächt durch diejenigen Betriebs-Ausgaben, welche von der Tractionsart unabhängig

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