Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

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DER GASMOTOR WAGEN VON'LÜHRIG.

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hierin ein grosser volkswirtschaftlicher Fortschritt. Ergiebt doch die Abkürzung der
Fahrzeit um 10 Minuten für eine einzelne Strecke, welche Jemand täglich zweimal befahren
muss, im Jahre von 300 Arbeitstagen eine Ersparniss von 10 vollen zehnstündigen Arbeits-
tagen! Es stellt sich aber schon jetzt heraus, und diese Erkenntniss wird mehr und mehr
Flatz greifen, 'dass eine derartige Geschwindigkeits-Erhöhung für volkreiche Städte und
grosse Entfernungen noch keineswegs ausreicht. Damit es der Elektrizität ermöglicht
werde, ihren Beruf voll zu erfüllen, nämlich den Beruf, täglich und stündlich Tausende
von’Personen von der gesunden Luft der Weit auswärts gelegenen Wohnungen nach ihren
Arbeitsstätten im Centrum der Stadt hin und zurück zu befördern, ohne dass hierbei
grössere Verluste an Arbeitszeit entstehen als unumgänglich nothwendig, wird man über
kurz oder lang dahin kommen müssen, noch viel grössere Geschwindigkeiten anzuwenden
und zu diesem Zwecke den elektrischen Bahnen ihre eigenen Bahnkörper anzuweisen,
indem man entweder besondere Dämme neben den allgemeinen Verkehrsstrassen oder das
System dör Hochbahnen oder unterirdische Schienen oder endlich eine Coinbination aus
diesen drei Systemen je nach Art und Höhenverhältnissen der zu durchfahrenden Strecken
an wendet. Wo aber anzunehmen ist, dass sich in absehbarer Zeit für solche vom übrigen
Verkehr abgesonderte Bahnkörper die Nothwendigkeit ergehen wird, da gebietet es die
Vorsicht, zukünftige Kapitalverluste durch eine um so sorgfältigere Prüfung der Sachlage
zu .verhindern, Wenn es sich um die Frage der Einführung des elektrischen Betriebes auf
bisher mit Pferden betriebenen Schienenwegen handelt.
Hamburg, im Mai 1894.

XII.
Der Gasmotorwagen von Lührig.
, Von A. v. Horn, Ingenieur, Hamburg.
Wie bereits in dem Artikel „Motorischer Strassenbahnbetrieb“ (siehe Heft No. III
dieser Zeitschrift) kurz erwähnt ist, hat in der letzten Zeit ein neuer Motorwagen das
Interesse auf sich gezogen, welcher mit gutem Erfolge auf Grund der bis jetzt erzielten
Ergebnisse mit den elektrischen Motorwagen in Mitbewerb getreten ist. Es ist dies der
von dein Ingenieur Lührig in Dresden angefertigte Gasmotorwagen, in welchem gewöhn-
liches, in dem Wagen mitgeführtes Leuchtgas nach dem Systeme des bekannten Otto’schen
Gasmotors zur Bewegung benutzt wird.
Wie bei den nach dem Systeme Pintsch zur Beleuchtung der Wagen mit Oelgas
eingerichteten Wagen sind auch hier besondere Ilecipienten vorhanden, in welfchen das
Steinkohlengas auf (1 Atmosphären Druck gebracht wird. Diese Ilecipienten, welche sowohl
auf dem Dache als unter dem Wagen angebracht sind, bestehen aus Röhren, deren
Gesammtinhalt ungefähr 2,5 cbm beträgt, sodass sie somit bis 13 cbm zusammengepresstes
Gas aufzunehmen im Stande sind.
Das für den Gasmotorwagen benöthigte Gas kann an jedem Punkte des städtischen
Gasröhrennetzes unter der Voraussetzung, dass die Röhren den nöthigen Querschnitt haben,
diesen entnommen werden, und ist somit nichts weiter erforderlich als eine kleine Station
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1894. 17

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