Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIII. Jahrgang.1894

Seite: 125
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MITTHEILUNGEN AUS DEM AMERIKANISCHEN STRASSENBAHN-WESEN.

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geringere Geschwindigkeit u. s. w. — genau ausgeführt werden kann, ist indessen ein-
facher, als es auf den ersten Blick scheint und sehr schnell zu erlernen.
Das Anzünden des Gases geschieht durch kleine elektromagnetische Apparate, welche
durch den Motor bewegt werden. Da ferner bei jeder Umdrehung eine Auspuffung erfolgt
und eine Erhitzung des Cylinders eintritt, so muss dieser bei jeder Fahrt abgekühlt werden.
Da indessen auch hier nach dem System Otto zweicylindrige Motoren angewendet werden,
so entsteht zwar nach' jeder Umdrehung eine Auspuffung, aber nicht immer in demselben
Cylinder, sondern abwechselnd in dem einen und das folgende Mal in dem anderen Cylinder,
wodurch die Cylinder weniger Abkühlungswasser bedürfen. Letzteres wird bei den Wagen
von Liihrig in Keservoirs auf dem Dache mitgeführt; eine selbstwirkende Wassercircu-
lation macht eine öftere Füllung derselben unnöthig.
Es mag noch bemerkt werden, dass der entweichende Rauch erst durch Schalldämpfer
geht, welche an dem Untertheil des Wagens befestigt sind, und von hier aus durch einen
auf dem Dache liegenden Condensationsapparat, aus welchem dann die Gase ohne Geräusch
und beinahe ohne Geruch entweichen.
Der beschriebene Motorwagen hat leer ein Gewicht von ungefähr 7,51 und mit
Passagieren von 9,51. Bei einer Versuchsfahrt vermochte er eine grösste Steigung von
1:23 mit massiger Geschwindigkeit zu überwinden. Das Bestreben, einen für grössere
Steigungen geeigneteren Wagen zu bauen, hat den Ingenieur Lührig veranlasst, noch
einefl zweiten kleineren Wagen mit nur einem Motor, jedoch von 10 Pferdekräften anzu-
fertigen. Dieser wiegt leer nur ungefähr 4,5 t, kann 22 Personen aufnehmen, wodurch
sein Gewicht ü t beträgt und kann eine Steigung von 1 : 15 nach Berechnung mit 1,54 m
in 1 Secunde, also mit halber normaler Geschwindigkeit durchfahren.
(Nach dem Wochenblatte „de Ingenieur“ No. 24 d. J.)

XIII.
Mittheilungen aus dem amerikanischen Strassenhabn-Wesen.
Von Curt Merkel, Baumeister in Hamburg.
(Mit 16 Abbildungen im Texte.)
III.
Die Missachtung der Amerikaner gegen das Leben des Einzelnen ist genugsam be-
kannt. Der Umstand, dass der Ausbildung von Schutzvorkebrungen zur Verhütung des
Ueberfahrens und Beschädigens von Menschen durch die elektrischen Strassenbahnwagen
in einer immer grösseren Zahl amerikanischer Städte eine grosse Beachtung zugewandt
wird, lässt darauf schliessen, dass die durch elektrische Strassenbahnwagen verursachten
Unfälle selbst für die Amerikaner eine zu grosse Ziffer erreicht haben müssen.
In den Mittheilungen I (No. XI des Jahrgangs 1892 dieses Blattes Seite 119) sind
bereits die von der West End Street Ilailway Co. mit Schutzvorrichtungen (Fenders) ange-
stellten Versuche (1892) eingehender besprochen worden. In der Zwischenzeit ist auf diesem
Gebiet seitens der amerikanischen Erfinder eine ausserordentliche Thätigkeit entfaltet
worden. Einzelne Resultate dieser Wirksamkeit dürften auch für Deutschland nicht ohne

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