Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

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I.

Ueber Strassenbahnen in Grossstädten, als Mittel zur Bewältigung
des grossstädtisclien Verkehres.
Von Gotthardt von Ritschl in Wien.
In Europa steigen nicht wie in Amerika gleichsam über Nacht grosse Stadtanlagen
aus dem Boden.
Die bekannten Grossstädte unseres Continentes danken ihre heutige Ausdehnung einer
mehr oder minder raschen Entwicklung aus lang bestehenden Anfängen.
Da der kleine Kern derartiger Wohnstätten noch keine Anforderungen an einen
erweiterungsfähigen Localverkehr stellte und sich Jeder mit geringer Anstrengung und
mässigom Zeitaufwand in diesen Ansiedlungen von einem bis zum anderen Ende bewegen
konnte, so erscheinen in fast allen stärker entwickelten Städten, die alten Stadttheile und
Bezirke für eine moderne Verkehrsanlage ungeeignet und müsste mit aller Macht und
Autorität der berufenen Organe und Behörden bei Ertheilung von Baubewilligungen für
Neu- und Umbauten dahin gewirkt werden, dass eine einheitliche der Gesundheit und dem
Verkehrsbedürfnisse entsprechende Baulinienbestimmung überall zur Durchführung gelangt.
In manchen Residenzstädten wTie z. B. in Paris wurde in dieser Richtung sehr energisch
vorgegangen und es wäre wünschenswerth, dass auch in mancher deutschen Grossstadt sich
diesbezüglich eine ausgiebigere und raschere Umgestaltung vollziehen würde.
So lange jedoch noch hier zu Lande der erwünschte Erfolg mangelt, sind die Ver-
kehrstechniker berufen, in anderer Weise dafür Vorsorge zu trelfen, dass in den Gross-
städten für die bestmögliche Verbindung der meist regelmässiger und geräumiger angelegten
Aussenbezirke mit dem Kerne der alten Stadt und auch dieser Aussenbezirke untereinander
gesorgt wird.
Eine modernere Bauart vorausgesetzt, dürfte in den wenigsten Städten die Anlage
einer Ringbahn grossen Schwierigkeiten begegnen; dagegen wird die Herstellung von Ver-
bindungen mit den alten Stadttheilen und die Durchquerungen derselben nach verschiedenen
Richtungen eine Aufgabe sein, zu deren Lösung schon eine grössere Anstrengung nöthig ist.
Wir wollen daher nur kurz die leitenden Grundsätze für die sogenannten Ringbahnen
angeben, da wir uns mit der Frage der Anlagen von Strassenbahnen in den eng verbauten
Stadttheilen etwas ausführlicher beschäftigen müssen.
Bei der Annahme, dass sich, was ja meist zutrifft, die Erweiterung der Stadt con-
ontrisch um die ursprüngliche Kernanlage gliedert, ist der Hauptzug der Ringbahn schon
an und für sich gegeben.
Es wird sich darum handeln, einen zusammenhängenden breiteren Strassenzug, der
gewöhnlich durch den Fall der alten Befestigungswerke vorgezeichnet ist, aufzusuchen
und zur Anlage eines leistungsfähigen Verkehrsmittels zu benützen.
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1895. 1
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