Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

Seite: 8
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DIE STRASSENBAHNEN IN BERLIN.

II.
Die Strassen!)ahnen in Berlin.1)
Von- J. Fischer - Dick, Königl. Baurath in Berlin.
Das Strassennetz Berlins, dessen letzte Masche durch die Ueberführung de*
Gleise über die Strasse „Unter den Linden“ in diesem Jahre z. Zt. ausgefüllt wird, steht
in Deutschland und auch wohl in Europa unerreicht da.
Dasselbe umfasst z. Zt. 340 km Gleise (ausschliesslich der 34 km Gleise der Dampf-
strassenbahn), auf welchen im Jahre 1893 auf 49 Verkehrslinien 152 Millionen Personen
befördert wurden, von welchen auf die Grosse Berliner Pferdebahn allein 130 Millionen
und 38 Verkehrslinien entfallen.
Die eigentliche Entwickelung der Strassenbahnen Berlins, das Aufblühen derselben
datirt vom Jahre 1873, zu welcher Zeit die Grosse Berliner Pferdebahn ihre Arbeiten
begann.
Im Jahre 18G5 hatte zwar bereits die Berliner Pferde bahn gesell scliaft die
erste Verkehrslinie Charlottenburg-Berlin-Kupfergraben — die als erste Pferdebahn Deutsch-
lands auch historisches Interesse bietet — fertig gestellt, ohne jedoch in langen Jahren
weitere Ausdehnung gewinnen zu können, ja z. Zt. nach fast dreissig Jahren ihres Bestehens
haben ihre Linien für das Verkehrsleben der inneren Stadt nur geringe Bedeutung ge-
wonnen; die Gesellschaft beschränkte sich darauf, ihr Gleisenelz in Charlottenburg aus-
zubauen, den Lützowplatz und Moabit (Criminalgericht) mit Charlottenburg zu verbinden,
so dass der allgemein üblichen Bezeichnung „Charlottenburger Pferdebahn“ die Berechtigung
nicht abgesprochen werden kann.
Auch die im Jahre 1877 ins Leben gerufene Neue Berliner Pferdebahn (40km
Gleise), welche ihre Linien im Osten der Stadt bis nach dem Alexanderplatz führte, hat
für das Verkehrsleben Berlins erst dann grössere Bedeutung gewonnen, nachdem ihr die
Mitbenutzung des Gleisenetzes der Grossen Berliner Pferdebahn gestattet wurde und sie
ihre Verkehrslinien bis zum Moritzplatz, Dönhofsplatz und der Hasenhaide ausdehnen konnte,
auf welchen sie auch im Jahre 1893 15 600 000 Personen beförderte.
Die Dampfstrassenbahngesellschaft baute ihre ersten Linien 1886, 34 km; diese gehen
von der Peripherie Berlins aus und verbinden den Noliendorfplatz mit dem Grunewald,
Steglitz, Wilmersdorf etc. Das Netz dieser Gesellschaft hat lediglich Bedeutung für den
Vorort- und Sonntags verkehr.
Die Grosse Berliner Pferdebahn eröffnete ihre erste Betriebslinie, Rosenthaler Thor-
Gesundbrunnen, im Juli 1873, ohne mit dieser — in Folge der damaligen Baubedingungen,
die für zweigleisige Bahnen 17m Dammbreite (jetzt lim) vorschrieben — sehr kost-
spieligen Linie den gewünschten finanziellen Erfolg verzeichnen zu können. Im Herbst
desselben Jahres wurde in der damals noch recht öden Königgrätzer Strasse ein Stück der
jetzigen Ringbahn vom Potsdamer Thor-Hallesches Thor über die Brücke bis nach der
Baruther-Strasse gebaut und in Betrieb gesetzt und mit dieser Linie ganz überraschend
günstige finanzielle Resultate erzielt, welche dann auch der Gesellschaft den Muth gaben,
das begonnene Netz in umfassender Weise auszubauen und nach und nach ausser den
*) Bearbeitet nach dem Beitrag zur Festschrift für die XXXV. Hauptversammlung deutscher
Ingenieure.
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