Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

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STRASSENBAHNWISSENSCHAFTLICHE ZEIT- UND STREITFRAGEN. 17

nur der Aufwand bat verstanden werden sollen, welcher zum Schaffen der Anlage verbraucht
und bei deren späteren Aufgabe nicht wieder heraus zu wirthschaften sein würde. Ob dies
in Form der Abschreibungen oder durch Ansammlungen geschieht, ist iu der Wirkung
gleich und deshalb für die Steuerpflichtigkeit nebensächlich,
Gebieten jedoch sowohl das Gesetz wie Grundsätze der Bahnwirthschaft aus den
Betriebseinkünften einen Gegenwerth für unausbleibliche Verluste an Anlagekosten zu
schaffen, so müssen dieselben genau ebenso steuerfrei sein, wie die sonstigen nothwendigen
Betriebsausgaben. Insbesondere erkennen die Steuerbehörden an, dass etwaige Baarab-
führungen aus den Betriebseinnahmen oder der Aufwand für bedungene Naturalleistungen,
welche auf Gleiseinbauverträgen beruhen, als steuerfreie Betriebsausgaben vom steuer-
pflichtigen Einkommen abgesetzt werden dürfen. Würde nun eine Stadtgemeinde zwei
zugelassene Betriebsunternehmer dadurch in der Form verschieden aber in der Wirkung
gleich behandeln, dass sie, um nach 30 Jahren in den Besitz des Schienenweges zu gelangen
und jährlich 800 000 Mark zur freien Verfügung zu haben, von dem einen jährlich
10C0000 Mark haar fordert, wogegen sie auf das Hecht des unentgeltlichen Bahnerwerbs
verzichtet, von dem anderen dagegen 800 C00 Mark jährlich und später die unentgeltliche
Uebereignung des Schienenweges verlangt, so würde sie hierdurch kennzeichnen, dass für
sie das Erwerbsrecht jährlich 200 000 Mark werth ist. Würden jährlich 200 000 Mark
genügen bezw. nötliig sein, um Zins auf Zins angelegt, einen dem Bahnkörperaufwaude
gleich hohen Betrag zu erlangen, so würde der Bahnunternehmer seine Uebereignungs-
Verbindliehkeit jährlich auf 200000 Mark zu veranschlagen haben. Warum sollen nun dem
ersteren Unternehmer die zur Ablösung der Uebereignungspflicht bedungenen 200000 Mark
abzugsfähig, dem andern die zu ihrer Erfüllung nöthigen Rücklagen abzugsunfähig sein.
Die Unnatürlichkeit einer zu dieser unterschiedlichen Behandlung führenden Auffassung
tritt so augenfällig zu Tage, dass sie nicht wird haltbar bleiben können.
II.
Durch den Betrieb, Einfluss der Zeit und Einwirkung von Zufälligkeiten erfährt der
Bahnkörper in den einzelnen Betriebsjahren Beschädigungen und Verschlechterungen, die
theils schon in seinem Verlaufe, überwiegend erst im folgenden Jabre und bisweilen sogar
erst noch später zu beseitigen sind. Die Nothwendigkeit zum Scbienenauswechseln oder
zur Erneuerung von Schwellen ist keineswegs erst als Wirkung desjenigen Betriebsjahres
anzusehen, in welchem sie unabweisbar hervortritt, ist vielmehr allmählich durch die ein-
zelnen verflossenen Betriebsjahre und das Zusammenwirken einer Menge nachtheiliger Ein-
wirkungen vorbereitet worden. Danach wird es unnatürlich und unwirthschaftlich sein,
dasjenige Betriebsjahr,' in welchem die Ausführung nicht mehr zu umgehen ist, mit .deren
vollen Kosten zu belasten. Vielmehr ist eine Vertheilung auf die Vorjahre geboten, welche
in der Weise vorzunehmen ist, dass der muthmaassliche Zeitpunkt, wann die Erneuerungs-
Nothwendigkeit vorliegen wird, aufgesucht und der dann bezw. bis dahin dafür zu er-
wartende Aufwand vorveranschlagt, die so gefundene Schätzungsziffer unter Berücksichtigung
zu erwartender Zwischenzinsen auf die einzelnen Jahre vertheilt wird. Auf diese Weise
kommt es, dass je weiter ein Jahr vom Ausführungszeitpunkte entfernt und damit der
Neuanlage näher liegt, der in ihm wirklich verbrauchte Betrag hinter dem Belastungs-
betrage zum Erneuerungsfond zurücksteht. Deshalb wollen die Steuerbehörden nur den
wirklichen Aufwand eines Jahres für Erneuerungsarbeiten freilassen. Hierbei übersehen sie
jedoch, dass die im Jahresverlaufe bewirkten Schäden doch füglich nur zum geringsten
Zeitschrift f. Local- u. Strassenbahnen. 1S95. 3
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