Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

Seite: 49
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VIII.

Mittheilungen aus dem amerikanischen Strassenbahn-Wesen.
Von Curt Merkel, Baumeister in Hamburg.
(Mit 2 Abbildungen im Texte.)
IV.
Zu den beachtenswerten Erscheinungen, welche die im Vordergründe des amerika-
nischen Strassenbalmwesens stehenden elektrischen Strassenbahnen im Gefolge gehabt haben,
gehören unzweifelhaft die durch diese Anlagen vielfach an Gas- und Wasserleitungsröbren
bewirkten Zerstörungen. Wie ein Einblick in die amerikanischen Fachzeitschriften darthut,
kann kein Zweifel bestehen, dass tatsächlich durch die elektrischen Strassenbahnanlageu
in zahlreichen Fällen ein schädlicher Einfluss auf die verschiedenen Leitungsanlagen aus-
geübt worden ist, ebenso fragelos dürfte es aber sein, dass diese Erscheinungen
nicht eine unbedingte Folge jeder elektrischen Strassenbahnanlage sind, sondern in
der Regel durch mangelhafte oder fehlerhafte Ausführungsweise dieser Bahnanlagen hervor-
gerufen wurden. Es darf wohl nach dem auf diesem Gebiete bereits vorliegenden reichen
Erfahrungsmaterial mit ziemlicher Sicherheit behauptet werden, dass durch geeignete Vor-
kehrungen dieser schädliche Einfluss beseitigt werden kann, oder überhaupt nicht zur
Wirksamkeit kommt.
Um einen Einblick in diese, für eine weitere Ausbreitung der elektrischen Strassen-
bahnen sehr wichtige Angelegenheit zu gewinnen, dürfte es sich empfehlen, zunächst kurz
eine Zusammenstellung der gemachten Beobachtungen zu geben, wobei selbstverständlicher-
weise nur ein Theil derselben, und zwar besonders charakteristische Fälle, angezogen
werden kann.
'Vor ungefähr 3 Jahren war auf den Bahnstrecken der West End Street Railway-
Company in Boston der zwischen den Gleisen verlegte Rückleitungsdraht mit Wasser-
leitungsröhren in Verbindung gebracht worden. Diese Verbindungsdrähte wiesen bald zahl-
reiche Zerstörungen auf.
Man erkannte, dass diese Zerstörungen nicht, wrie anfangs vermuthet wurde, auf
chemische Einwirkungen des Bodens zurückzuführen waren, sondern dass hier elektrische
Einflüsse massgebend sein mussten. Das zunächst angewandte Heilmittel, den Strom
anstatt wie dieses bis dahin geschehen war, durch den oberirdischen Zuleitungsdraht, nunmehr
durch die Schienen zu leiten und die oberirdischen Drähte als Rückleitung zu benutzen,
erwies sich als das Gegentheil, indem hierdurch der schädliche Einfluss bedeutend verstärkt
wurde. Bleiröhren wurden innerhalb C—8 Wochen vollständig zerstört, galvanisirte Eisen-
und Kupferrohre zeigten umfangreiche Durchlöcherungen. Die Stromführung wurde nach
dieser Entdeckung sofort wieder in der anfänglichen Weise eingerichtet. Der beobachtete
Zeitschrift f. Local- u. Strassenhalinen. 1895. 7
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