Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

Seite: 59
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ZUSTÄNDIGKEITSGRENZE DER GEWERBEGERICHTE.

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werk des Wageninnern ist polirtes Mahagonieholz, die Sitze sind mit pfaublauem Plüsch
überzogen und sind nicht in der Form von Bänken hergestellt, sondern bestehen aus 20
Armsesseln.
Zum Schluss mögen einige geschichtliche Notizen aus dem amerikanischen Strassen-
bahnwesen Wiedergabe finden.
Die erste Strassenbahn soll 1832 in New-York ausgeführt sein, nähere Angaben
über dieses Unternehmen fehlen jedoch vorläufig. 1852 führte ein französischer Ingenieur,
Loubat, eine sichere und für den Strassenverkehr weniger hinderliche Form der Schienen
ein und stiegen seit diesem Augenblicke in Nord-Amerika Strassenbahnanlagen sehr in der
öffentlichen Gunst. New-Orleans war eine der ersten Städte, welche sicli die Neuerung
zu Nutzen machten. Die benutzten Schienen waren aus Gusseisen, besassen eine Kopfbreite
von 13 cm und hatten für die Radflanschen eine Rille von 4,5 - 5,5 cm Weite und 2,5 bis
3,5 cm Tiefe. Da sich in dieser Rille vielfach die Fuhrwerke festfuhren, wurde die Form bald
verworfen und ziemlich früh, jedoch zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt, die Stufen-
schiene eingeführt, die bis zum heutigen Tag in den Vereinigten Staaten noch vielfache
Verwendung findet. Die im Jahre 1859/61 gebauten Strassenbahnen in St. Louis hatten
J-förmige Schienen. Die Höhe betrug etwa 6 cm. Das Pflaster der Strasse lag in der
Hölie des Schienenkopfes. Die Wagen, die zuerst in Philadelphia und Cincinnati Ver-
wendung fanden, hatten die Form der Omnibusse mit einer Thür auf der Rückseite. Die
Wagen besassen zur Bedienung nur einen Kutscher, dem das Fahrgeld zu entrichten war. Der
Wagenkasten ruhte auf einem Drehtisch, der höher als die Wagenräder lag und es ermög-
lichte, dass derselbe an den Endpunkten der Bahn durch das Pferd vollständig herumgedreht
wurde, während das Untergestell seine Lage behielt. Die in New-Orleans zuerst zur Ver-
wendung gekommenen Wagen waren mit Decksitzen versehen. Der Aufgang zu diesen
Sitzen fand auf Treppen statt, die an den Längsseiten der Wagen angebaut waren.

IX.
Zuständigkeitsgrenze der Gewerbegerichte.
Von Kreisgerichtsrath Dr. B. Hilse in Berlin.
Gemeingewöhnlich pflegen die auf Grund des Gewerbegerichtsgesetzes vom 29. Juli
1890 eingesetzten Gewerbegerichte sich für alle Rechtsstreitigkeiten zuständig zu erklären,
welche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über Ansprüche aus dem Arbeitsvertrage
entstehen, sobald einer der beiden Streitpartheien innerhalb ihres Bezirkes wohnt und sie
um die Entscheidung anruft. Dieser Geschäftsgebrauch steht aber nicht im Einklänge mit
dem gesetzgeberischen Willen und zwar schon aus dem Grunde, weil nur für die Entschei-
dung von gewerblichen Streitigkeiten zwischen Arbeitern einerseits und ihren Arbeitgebern
andererseits, sowie zwischen Arbeitern desselben Arbeitgebers nach dessen § 1 die Ge-
werbegerichte berufen sind aber § 2 als Arbeiter im Sinne des Gesetzes nur diejenigen
Personen gelten lässt, auf welche der VII. Titel der Gewerbeordnung Anwendung findet.
Seit Inkrafttreten des Kleinbahnengesetzes vom 28. Juli 1892 sind für den Umfang des-
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