Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

Seite: 67
Zitierlink: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-14-1895/0077
Lizenz: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
DIB VERHÄLTNISSE BEI DER WIENER TRAMWAY-GESELLSCHAFT etc.

67

Endstation in dem untersten „Hasengraben“ zu den bereit stehenden Wagen läuft, um
hier in deren hohles eisernes Unterstück geführt zu werden. Das Gewicht des Wassers,
welches mit einem, dem Gewicht des unteren Wagens einschl. der zu befördernden Personen,
gleichkommenden Uebergewicht zugelassen wird, bewirkt nun, dass der obere Wagen sich
ruhig und sicher nach unten bewegt, während der untere aufwärts steigt. Die beiden
Wagen sind durch ein 33 mm dickes Kabel verbunden, welches am höchsten Punkt der
Bahn um eine Rolle gelegt ist. Die beiden auf- und abwärts laufenden Wagen kommen
zu gleicher Zeit an den Endpunkten an, worauf der untere Wagen sich von selbst seines
Wasserinhaltes entledigt.
Während der jährlich in die Betriebszeit fallenden Trockenlegung des Kanals zwecks
Vornahme von Reparaturen ersetzt die Gaskraftmaschine die dann fehlende Wasserkraft.
Zahlreich waren die Schwierigkeiten bis zur Erfüllung aller Anforderungen und Stellung
der Betriebseinrichtungen. Die Spurweite beträgt 1 m, in der Mitte liegen Zahnstangen
System Riggenbach. Auf der Hälfte der Bahnlänge befindet sich eine Abzweigung und
eine zwischengelegte Station, woselbst die Wagen sich kreuzen. Das Steigungsverliältniss
ist im Max. 61°/0. Der ganze Oberbau liegt in festem Boden, um das Verschieben der
Schienen zu vermeiden. Die Wagen, System Riggenbach, sind mit Hand- und selbst-
wirkeuder Bremse versehen, von Avelchen erstere den Wagen zum Stillstand bringt, sobald
der Zugbegleiter den Hebel frei lässt und letzterer, sobald ein Kabelbruch entsteht. Das
Kabel hat mehr als 10 fache Sicherheit. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt 5 km in einer
Stunde, die Fahrdauer also + zwei Minuten.
Zu den genannten, jetzt bestehenden Bergbahnen wird bald eine neue zu fügen sein,
nämlich die Kabelbahn mit Dampfbetrieb auf den Schlossberg bei Graz.

XI.
Die Verhältnisse hei der Wiener Tramway-Gesellschaft, und die
elektrischen Bahnen für Wien.
Von Rudolf Ziffer, Oberingenieur der k. k. österr. Staatsbahnen in Keimnelbach.
Mancherlei macht die Weltberühmtheit einer Stadt.
Man preist den holden Liebreiz der Wiener Frauen, rühmt die Schönheit der Wiener
Ringstrasse und die Pracht ihrer Monumentalbauten, besingt die Wiener Gemüthlichkeit,
die freilich mehr einer vergangenen Zeit angehört und schimpft über die Wiener Tram-
wayzustände.
Als vor Kurzem eine Protestversammlung in Berlin gegen die ungebührliche Ueber-
füllung der dortigen Stadtbahnwagen an Sonntagen abgehalten wurde, meinte ein Redner,
solche scandalöse Zustände finde man nirgends sonst als in Wien. Es ist eine Schande
für die Stadt, dass man, wenn von unwürdigen Verkehrszuständen die Rede ist, auf Wien
exemplificiren darf.
Weit bekannt sind die Bemühungen, welche von den Behörden aller Instanzen unter-
nommen wurden und werden, um der Wiener Tramwayfrage Herr zu werden. Bisher hat
9*
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Impressum   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list