Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

Seite: 95
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GESCHÄFTSBERICHT DER LOCALBAHN-ACTIENGESELLSCHAFT IN MÜNCHEN.

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Referate.
Geschäftsbericht der Localbahn-Actiengesellschaft in München
' über das Betriebsjahr 1894.
Von Fr. Giesecke, Hamburg.
Der jetzt zur Verkeilung gelangte Geschäftsbericht dieser Gesellschaft für das
Betriebsjahr 1894 giebt ein ebenso klares wie hoch erfreuliches Bild von der Entwicklung
dieses Unternehmens. Als im Jahre 1878 der Locomotivfabrikant Krauss in München
im Verein mit dem Baurath Hostmann die Erbauung der Feldabahn ins Auge fassten,
konnten sie wohl kaum erwarten, dass diese Unternehmung sich zu einem solch kräftigen
Baume entwickeln würde, wie er sich in der Localbahn-Actien-Gesellschaft jetzt darstellt.
Wie s. Z. die Feldabahn, dank der Intelligenz und wirthschaftlichen Einsicht ihrer
Erbauer, bahnbrechend für alle späteren Unternehmungen dieser Art wurde und noch heute
als Musteranlage anzusehen ist, die Zeugniss ablegt von der klaren Erkenntniss des tech-
nisch Nokwendigen, so hat die aus dieser Unternehmung herausgewachsene Bahnbau-
gesellschaft, auf gleichen Principien weiter bauend, die trefflichen Resultate erzielt, die
uns in dem Jahresberichte vorliegen. Trotz der Depression, die sich über alle Gebiete
der wirtschaftlichen Thätigkeit erstreckte, ist die Gesellschaft in der angenehmen Lage,
eine Dividende von 61/«°/o z,ir Verkeilung zu bringen; ein Resultat, welches glänzender
als alle Worte für die richtige Leitung und Finanzirung des Unternehmens spricht. Ein
Resultat, welches nur dadurch zu erreichen war, dass die alten soliden Principien von der
Feldabahn her beibetralten sind und die wesentlich darin beruhen, den Oberbau ent-
sprechend gut und kräftig zu wählen, zweckmässig construirte Betriebsmittel zur An-
wendung zu bringen und vor allen Dingen jeden Gründergewinn von den Unternehmungen
auszuschliessen.
Der leider sehr zum Schaden der s. Z. überall auftauchenden Kleinbahnprojecte so
oft in Aussicht genommene und auch zur Anwendung gebrachte leichte Oberbau, die un-
zweckmässigen Betriebsmittel und der stets verlangte hohe Baugewinn richten nicht allein
das Bahnunternehmen sehr leicht selbst zu Grunde, sondern geben auch Veranlassung, dass
alle Unternehmungen dieser Richtung misscreditirt werden, und eine gewisse Scheu der in
erster Reihe daran betheiligten Kreise und Gemeinden gegen die Erbauung von Klein-
bahnen naturgemäss gross gezogen wird.
Wann wird endlich, soviel klare Einsicht und soviel Verständniss an den Stellen zu
erwarten sein, die in erster Linie Kleinbahnunternehmungen zu fördern haben, also bei den
Vertretern der Kreise und Gemeinden, dass sie sich fern halten von solchen Angeboten
und Bauunternehmungen, die es nur auf einen mehr oder minder hohen Baugewinn ab-
sehen und dann die Sache sich selbst überlassen. Der spätere Betrieb wird meistens so
kostspielig, dass jede Verzinsung des Anlagekapitals unmöglich wird und die Gemeinden
haben statt der erwarteten Einnahmen und Freuden nur Kosten und Verdruss von dem
„ Kleinbahnunternehmen.“ —
Das Betriebscapital unserer Gesellschaft hat z. Z. die stattliche Höhe von fast
35000000 Mk. erreicht. Eine stolze Zahl, wenn man die ganz aus sich selbst heraus
entstandene Entwicklung ins Auge fasst.
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