Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

Page: 114
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DIE NEUESTEN LOCOMOTIV- UND WAGEN-TYPEN

Wer die Verhältnisse Bosniens und der Hercegovina kennt, wird wmhl zugeben müssen,
dass die dortigen Schmalspurbahnen trotz ihrer nur 76 cm breiten Spur für diese Länder
nicht Local-, sondern Hauptbahnen im vollsten Sinne des Wortes bedeuten; an dieser
Thatsache ändert auch der Umstand nichts, dass die Fahrbetriebsmittel der Hauptbahnen
auf die schmalspurigen Linien nicht übergehen können, nachdem die Vorurtheile gegen die
Umladung, was die pecuniäre Seite betrifft, schon längst entkräftet sind. Auch Güter,
welche eine Umladung nicht vertragen, bilden in dieser Hinsicht kein Hinderniss; ist doch
die Ueberführung von Normalwagen, deren Inhalt ein Umladen absolut nicht gestattet,
auf Hollschemeln längst bekannt. Erst vor kurzem hat die k. und k. Bosnabahn einen
solchen Wagen, auf Langbein’sche llollschemeln überstellt, in ihrer 83,1 km langen Strecke
Brod-Doboj mit gewöhnlichen Güterzügen probeweise geführt und befördert gegenwärtig
zahlreiche derartige Wagen auf ihrer Broder Schleppbahn — bis zu drei Stück auf einmal —,
während die königl. Sächsischen Staats-Eisenbahnen in den gemischten Zügen ihrer schmal-
spurigen Linien zwei Normalwagen einrangiren. Auch die Eichstädter Schmalspurbahn, so-
wie die Strassburger Strassenbahnen practiciren eine regelmässige Ueberführung der Normal-
wagen auf Rollschemeln.
Ganz neu dürfte die Beförderung eines vierachsigen Normalwagens von 20 t Trag-
fähigkeit sein, welcher auf der k. und k. Bosnabahn auf Langbein’sche Rollschemel (unter
jede Achse ein Paar) überstellt wurde und die zahlreichen Weichencurven von 49 und 65 m
leicht und sicher passirte.
Auch darf nicht übersehen werden, dass die schmalspurigen Eisenbahnen Güter von
denselben Dimensionen transportiren können wie die Normalbahnen, sobald nur für ein
ausreichendes Lichtraum-Profil vorgesorgt ist; so übernimmt die k. und k. Bosnabahn bis
zu 19,00 m lange, die vorgeschriebene Ladebreite nicht überschreitende Gegenstände analog den
Normalbahnen ohne jeden Vorbehalt zur Beförderung, und wird nur die Annahme aller über
diese Ausmaasse hinausgehenden Güter von einer fallweisen Entscheidung abhängig gemacht.
Da weiters die Schmalspurbahnen auch in Bezug auf Intensität des Verkehrs, Fahr-
geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit den normalspurigen Nebenbahnen zu mindesten
gleichkommen, so ist das Verlangen nach einer Gleichstellung der ersteren mit den normal-
spurigen Nebenbahnen, resp. einer Untertheilung der schmalen Spurweite analog der Normal-
spur ein vollkommen berechtigtes.
Einen ziflermässigen Nachweis für die Gleichwertigkeit der verschiedenen Spurweiten
zu erbringen ist leicht. Die Verkehrsdichte vieler schmalspuriger Linien kann sich getrost
mit jener der Vollbahnen messen, wie ein Vergleich aus den Jahren 1892/94 zeigt. So
betrug der specifiscbe Verkehr:
auf der schmalspurigen Linie Kristiania-Drammen (1892) 387888 Personen und 90472 t Güter,

„ Drammen-Randsfjord(1892) 60773
Birsigthalbahn (1893) 291003
Eisenbahn Ravensburg-
Weingarten (1892) 194561
Eisenbahn Doberan-Heiligen-
damm (1892)182721
k. und k. Bosnabahn (1894) 95075
schliesslich
bosn. herc. Staatsbahn Doboj-
Simin Han (1893) 37319

88654 t

113723 t Güter,

„ 68669 t
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