Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

Seite: 154
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DAS HESSISCHE GESETZ ÜBER NEBENBAHNEN

Wicklung ist jedoch das Netz unserer Kleinbahnen im Vergleiche mit dem Netze mehrerer
andern kleinern Länder ein unbedeutendes und es wäre wünschenswert!], dass die Ent-
wicklung eine bedeutendere wäre, weil den Kleinbahnen in hohem Maasse eine den Wohl-
stand und die Betriebsamkeit fördernde und belebende Wirkung inne wohnt und weil das
Bedürfnis nach Eisenbahnen noch immer ein dringendes ist. — Wir haben die Local-
bahnen nicht zu den „Kleinbahnen“ gezählt und in Folge dessen.auch nicht besprochen,
weil die Localbalmen Ungarns nicht eigentlich Kleinbahnen sind. — Diese beiden Gattungen
Eisenbahnen haben in Ungarn nur die eine gemeinsame Eigenschaft, dass beide den Ver-
kehrsinteressen engerer Landestheile zu dienen berufen sind. — Die Ausrüstung der „Local-
hahnen“, der Bau und die Betriebsweise derselben ist jedoch eine kostspieligere, um der
erhöhten Inanspruchnahme und der nicht unbedeutenden Verkehrsdichtigkeit ganz ent-
sprechen zu können. Aus diesem Grunde können unsere „Localbahnen“ nicht gut zu den
„Kleinbahnen“ gerechnet werden. — Die Entwicklung unseres Localbahnwesens war eine
ausserordentlich rasche, da seit dem Jahre 1880, in welchem Jahre mit dem Bau von
Localbahnen begonnen wurde, bis 1893 — daher während 13 Jahre — das Localeisen-
hahnnetz eine Länge von 4150km erreichte; allerdings waren die gesetzgeberischen Ver-
fügungen (Localeisenhahn-Gesetz vom Jahre 1880. Gesetzartikel XXI und Ergänzung vom
Jahre 1889) sehr günstig und auch der Wunsch nach neuen Eisenbahnen ein sehr tief
gehender. — Zur Begründung unserer Behauptung, dass die „Localbahnen“ in Ungarn
ihrer grossem Verkehrsdichtigkeit halber nicht gut zu den „Kleinbahnen“ gerechnet werden
können, sondern eher als Bahnen II. Itanges zu betrachten wären, wollen wir erwähnen,
dass z. B. die Anzahl der Civilreisenden per Bahnkilometer 50318, die Anzahl der Fracht-
güter per Bahnkilometer 40045 Tonnen betragen hat. — Wie diese Daten beweisen, fallen
unsere „Localbalmen“ daher unter ganz andere Gesichtspunkte, wie die „Kleinbahnen“.
Budapest, 9. Februar 1895.

XVIII.
Das Hessische Gesetz über Nebenbahnen und die Secundärbahnen
im Grossherzogthum Hessen.
Von Ober-Rechn.-Rath Dr. Zeller in Darmstadt.
Mit dem Jahre 1879 begann in Hessen die Aera der Nebenbahnen. Eine rege
Agitation zu Gunsten jener wichtigen Verkehrsmittel machte sich in allen Laudestheilen
geltend, communale Verbände petitionirten bei den Landständen wegen Erbauung von
Secundärbahnen. Ein Eisenbahngesetz fehlte, die Mängel des bestehenden Rechtszustandes
konnte nur ein Specialgesetz beseitigen. Aufgabe der Gesetzgebung war es, alle zur
Förderung jener Bahnen erforderlichen Anordnungen zu treffen, die Unternehmer zu
unterstützen, zugleich alle Belastungen zu vermeiden, welche die Unternehmungslust
hemmen konnten. So entstand das Gesetz vom 28. Mai 1884, das sich bestrebte, das
öffentliche Recht der Kleinbahnen so weit zu ordnen, als die Natur und das Bedürfnis
dieser Verkehrsmittel eine besondere Recbtgestaltung erfordert. Der Begriff der Klein-
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