Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIV. Jahrgang.1895

Page: 167
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ÜBER DIE GASBAHN IN DESSAU.

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dass jede Verkehrsverbesserung dem Gemcinwolile dient, zum öffentlichen Nutzen gereicht
und deshalb eigennütziger Weise nicht hintertrieben werden darf, weil der Nutzen des
Einzelnen diesem der Allgemeinheit nachzustehen hat. Wo vielleicht behördlicherseits aus
öffentlich rechtlichen Gründen der Ersatz der Pferdekraft durch die Elektricität vorge-
schrieben werden würde, wird darin ein Ausfluss höherer Gewalt zu erkennen sein, wegen
dessen die bewirkte Umwandlung der Bahnbetriebsweise aufhört, eine selbstgewollte zu
sein, weshalb erst recht durch Befolgen des behördlichen Gebotes keine Vertragsstrafe
verwirkt werden könnte. Die Betriebsunternehmer brauchen also keine Gefahr daraus zu
fürchten, trotz bestehender Abrede der gedachten Art vom Pferdebetriebe zum elektrischen
überzugehen.

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Ueber die Grasbahn in Dessau.
Vortrag des Herrn Generaldirector W. von Oechelhaeuser, Dessau. Gehalten auf der General-Versammlung
deutscher Gas- und Wassertechniker in Köln. *)
Als vor zwei Jahren auf unserer Versammlung in Dresden Herr Oberingenieur Kemper
die Verwendung der Gasmotoren für Strassenbahnbetrieb einem eingehenden Vergleich mit
anderen Strassenbahnsystemen unterzog, da konnte er bereits darauf hinweisen, dass für
Dessau der Bau einer ausschliesslich mit Gasmotorwagen betriebenen Strassenbahn eine
beschlossene Sache sei. Dieser Beschluss ist inzwischen durch die Deutsche Continental-
Gasgesellschaft mit den nächstbetheiligten Interessenten zur Ausführung gelangt und die
Bahn, wie Ihnen bekannt, seit November v. J. auf einer Gesammtstrecke von 4,4 km mit
9 Gasmotorwagen in Betrieb. Schon vier Wochen nach der Betriebseröffnung wurde im
Publikum, bei dem die Bahn schnell beliebt geworden war, der dringende Wunsch nach
Erweiterung der Linien laut, und eine öffentliche Subscription auf Erhöhung des Actien-
capitals um M. 180 000 fand in einer Ueberzeichnung der Actien einen für das neue System
empfehlenden Ausdruck. Seit Pfingsten d. J. sind die beiden Hauptstrecken bis zu den
ursprünglich geplanten Endpunkten durchgeführt, und wird nach Eintreffen der weiter be-
stellten neuen Motorwagen binnen Kurzem der Betrieb auf einer Gesammtstrecke von
6,2 km mit 9 siebenpferdigen, 4 zehnpferdigen, sowie 4 Anhängewagen, im Ganzen also
17 Wagen, durchgeführt sein.
Die andauernd günstigen Betriebsergebnisse des neuen Systems, sowie der Wunsch,
dasselbe nach allen Richtungen zu vervollkommnen und weiter zu entwickeln, haben in-
zwischen zu einer Rückerwerbung der Lührig’schen Patente geführt, die nach dem Tode
des deutschen Erfinders an die englische Gas-Traction Company in London übergegangen
waren und nunmehr im Besitz der Deutschen Gasbahn-Gesellschaft mit be-
schränkter Haftung in Dessau sind. Diese Gesellschaft, welche übrigens von der
Dessauer Strassenbahn-Gesellschaft ebenso wie von der Deutschen Continental-Gasgesellschaft

*) Mit Genehmigung des Autors und Verlegers abgedruckt aus Schilling’s Journal für Gas-
beleuchtung und Wasserversorgung 1895, Seite 498 u. ff.
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