Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIX. Jahrgang.1900

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DER BETRIEB DER LOKALBAHNEN.

Rangierzwecken der Hauptbahn oder in grossen Fabriksanlagen zu verwenden, für welche
Zwecke der Motorwagen nicht geeignet ist. Auch auf Localbahnstrecken, die häufigen und
bedeutenden Schneeverwehungen ausgesetzt sind und längere Unterbrechungen des Verkehrs
hintangehalten werden müssen, dürfte die Dampflocomotive in Betracht kommen, da sic
in solchen Verhältnissen unstreitig zweckmässiger ist, als der Motorwagen.
IS. Die Selbstfalirwagen.
Zum Betriebe dieser Wagen finden Dampfmaschinen, Fressluftmaschinen, Gaskraft-
maschinen und elektrische Maschinen Anwendung. Der Motorenbetrieb mit Acetylengas
und ebenso der mit Gasolin befindet sich noch zu sehr im Versuchsstände, als dass man
überhaupt schon an seine Anwendung im Localbahnbetriebe denken könnte.
Bei den Dampfmotorwagen wird die Betriebskraft unmittelbar auf dem Wagen erzeugt;
ebenso bei jenen Gasmotorwagen, bei denen das zum Antriebe dienende Gas aus Benzin
oder Petroleum gewonnen wird. Bei den Gasmotorwagen, deren Maschinen durch Leucht-
gas betrieben werden, ebenso bei dem Pressluft-Motorwagen und den elektrischen Motor-
wagen wird die Triebkraft in besonderen Centralstationen erzeugt; bezüglich der Ueber-
mittlung dieser Kraft an die Motoren sind nun 2 Fälle zu unterscheiden: nach der einen
Anordnung erhalten die Wagen eine bestimmte Menge der Betriebskraft in Behältern oder
Sammlern aufgespeichert und müssen, — sobald sie eine gewisse Strecke durchlaufen
haben — in die Centralstation zurückkehren, um ihren Vorrath an Betriebskraft zu ergänzen;
bei der anderen Ausführung wird den Wagenmotoren der Bedarf an Triebkraft durch
Leitungen je nach Erfordernis zugeführt. Die ersterwähnte Anordnung ist bei dem Betriebe
mit Gas- und Pressluftmotoren die einzig mögliche. Erfolgt der Betrieb durch Elektricität,
dann kann die erste oder zweite Methode für sich allein auf der ganzen Bahn oder
abwechselnd auf einzelnen Strecken Anwendung finden. Ohne Zweifel bietet es unter allen
Umständen einen grossen Vortheil, von der Mitwirkung einer Centralstation vollkommen
unabhängig zu sein und unausgesetzt jene Kraft selbst erzeugen zu können, welche die
Fortbewegung des Motorwagens erfordert. Wasser und Brennstoff, die einzigen Bedürfnisse
des Dampfmotorwagens, ebenso auch Benzin oder Petroleum, auf welche Stoffe die Er-
haltung der Thätigkeit der Benzin- und Petroleummotoren beruht, sind in der Regel überall
leicht zu beschaffen oder auch überall bequem in Vorrath zu erhalten, so dass in dem
— bei gutgeregeltem Betriebe gewiss nur ganz ausnahmsweise eintretenden — Falle, dass
der Vorrath an diesen Lebenselementen auf dem Motorwagen unerwartet auf der Strecke
aufgezehrt werden sollte, eine Ergänzung desselben möglich ist. Tn dieser Hinsicht sind
die Dampf-, Benzin- und Petroleummotorwagen allen übrigen Motorwagen entschieden
überlegen. In zweiter Linie — von diesem Standpunkte aus betrachtet — stehen die
elektrischen Bahnen mit Stromzuleitung; sie bleiben in steter Verbindung mit der Central-
station, mit ihrer Kraftquelle; es besteht aber hier die Gefahr einer — wenn auch selten,
so doch immerhin möglichen Unterbrechung der Leitung, in welchem Falle es unter Um-
ständen unmöglich werden kann, den Motorwagen wieder zur Selbstthätigkeit zu bringen.
Am ungünstigsten erweisen sich die Luft-, Gas- und elektrischen Accumulator-Motorwagen.
Bei einem unvorhergesehenen Mehrverbrauche an Betriebskraft kann der Moment eintreten,
in welchem der Motorwagen die Befähigung zur selbstthätigen Fortsetzung seiner Fahrt,
zur Rückkehr in die Centrale vollständig einbüsst; eine nachhaltige Störung des Betriebes
wäre die natürliche Folge eines solchen Zwischenfalles, dessen Eintritt immerhin in dem
Bereiche der in Erwägung zu ziehenden Möglichkeiten liegt.
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