Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIX. Jahrgang.1900

Page: 24
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/Zb-2423-19-1900/0038
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
24

DER BETRIEB DER LOKALBAHNEN.

mithin reicht der verzehrbare Vorrath an Pressluft für eine Fahrt von
f a, 2929280 , 1A1
= rund 10 km.

a, “ 286000
aus. Die Luftbehälter haben in diesem Falle einen Fassungsraum von 2,50 m3 und
wiegen einschliesslich des Heisswasserraumes rund 4 Tonnen ohne Wasser und Pressluft.
Man sieht, dass der Vorrath an Pressluft nur für eine bei Lokalbahnbetrieb verhältnis-
mäfsig sehr kurze Strecke ausreicht. Wohl kann die Füllung auch auf der Strecke vor
sich gehen, indem die Pressluft in Leitungen zu dem exponirten Füllpunkte geleitet wird,
die Verluste in der Leitung sind nicht sehr bedeutend; aber dennoch wird man solche
Leitungen schon der Kostspieligkeit wegen nicht allzusehr ausdehnen. Will man eine
grössere Leistungfähigkeit erreichen, so muss man einen weit grösseren Vorrath an Luft
mit sich führen, wodurch natürlich das Gewicht des Motorwagens wächst. Füglich ist
man auch durch den verfügbaren Kaum an eine Grenze gebunden, denn sobald die Grösse
der Luftbehälter zu bedeutend wird, rückt die Nothwendigkeit einer Pressluftlokomotive
immer näher und hiermit verschwinden natürlich wieder die Vortheile des Motorwagens.
Für die Strassenbahnlinie von Louvre nach Versailles und die Eisenbahn von Arpajon im
Inneren von Paris wurde eine Pressluftlokomotive gebaut, in deren acht Behältern
530 kg Luft von 80 Atm. aufgespeichert sind, die eine Arbeit von 9703240 kgm
repräsentiren. Diese Lokomotive wiegt 18 Tonnen. Ihr mussten 2 Anhängewagen bei-
gegeben werden, sodass unter den oben angegebenen Verhältnissen der mitgeführte Luft-
vorrath für* eine Strecke
9703240 9703240

L:

[15 x 18 -f 10 x 2 x 7) 1000
L = rund 24 km

410000

ausreichen würde. Dabei aber beträgt das Gewicht des Zuges 32 Tonnen, d. i. bei 100
Fahrgästen 320 kg für jeden Fahrgast und ist eine Arbeit von 410000 kgm pro Kilo-
meter zu leisten, während der Serpolettwagen bei gleicher Leistungsfähigkeit kaum
300000 kgm pro km. zu iiberwiuden hat, sofern er nur halbwegs gut und zweckent-
sprechend gebaut ist.
Die Gestehungskosten einer Tonne Pressluft von 60 Atm. stellen sich in Paris zwischen
20 und 25 fr., für Pressluft von 45 Atm. giebt Henning den Preis von 16 bis 17 Mark pro
Tonne an; dies gilt natürlich nur für die Herstellung im Grossen und für den Betrieb der Ver-
dichter durch Dampfmaschinen. Im Kleinen wird der Verkaufspreis sich höher stellen,
dagegen würde ihn die Anwendung der Wasserkraft, wo solche möglich ist, bedeutend
vermindern. Zur Aufklärung diene folgendes Beispiel: Eine 10 km lange Kleinbahn von
5°/oo mittlerer Steigung wrnrde täglich von 10 Zügen in jeder Eichtling befahren. Diese
Züge bestünden aus dem oben erwähnten Pressluftwagen von 14,41 Dienstgewicht und
einem Anhängewagen von 71, voll besetzt. Der Luftverbrauch für jede Fahrt beträgt
ICO kg, also für täglich zwanzig Fahrten 3200 kg, entsprechend einem Kostenaufwande
von 3,2x16,5 = 52,80 M. für die zum Betriebe dienende Pressluft, d. i. 2,64 M. für
eine Fahrt.
3. Gasmotor wagen.
Bei den Selbstläufern dieser Art dient als Betriebskraft der Maschine ein Gemenge
von Leuchtgas oder Petroleumdünsten oder Benzindünsten mit atmosphärischer Luft, indem
durch aufeinanderfolgende explosive Wirkung desselben der Motor in Bewegung gesetzt
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list