Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIX. Jahrgang.1900

Page: 46
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III.

Elektrische Trambahn in Haarlem.*)
Die von der „Ersten Niederländischen Elektrischen Trambahn-Gesellschaft“ betriebene
Linie Haarlem-Zandvoort hat eine Liingo von 8,2 km, die Itingbahn um Haarlem eine
Länge von 5 km und die im Anschluss an letztere noch geplante Linie nach Bloemendaal
eine Länge von 2,5 km.
Die Stromzufuhr erfolgt durch Arbeitsdrähte, welche über die Schienen gespannt
sind, während die Stromabfuhr durch die Schienen selbst stattfindet. Da jedoch die
gewöhnliche Geleiskuppelung durch die Laschplatten nicht als elektrische Kuppelung
angesehen werden kann, sind noch besondere elektrische Geleiskuppelungen angebracht,
von Schiene auf Schiene die Lasche überbrückend, und von Geleis auf Geleis quer durch
den Bahnkörper hindurch. Letztere Kuppelung, die bei Doppelgeleis die 4 Schienen ver-
bindet, befindet sich bei jeder dritten Schiene.
Die Arbeitsleitung besteht überall aus zwei parallelen Drähten von 8 mm Durch-
messer, ausgenommen an den Weichen, wo jedes Geleis nur einen Arbeitsdraht hat.
Sowohl die eingeleisige Linie nach Zandvoort, als auch die Ringbahn, welche beinahe
ganz für Doppelgeleis angelegt ist, sind in elektrisch auskuppelbare Sectionen eingetheilt,
um bei Störungen rasch die Fehler localisiren und eventuelle Reparaturen unter Strom-
abschluss ausführen zu können, während der Betrieb auf den nicht betroffenen Sectionen
fortgesetzt werden kann. Diese Einrichtung hat bei einer Stadtbahn ausserdem den Vor-
theil, dass im Fall eines Feuers die betreffende Section stromlos gemacht und erforder-
lichen Falles die Arbeitsleitung ohne Gefahr für das Feuerwehrpersonal durchschnitten
werden kann. Ferner ist die Linie ungefähr jeden Kilometer durch Blitzableiter mit
automatischem Funkenfänger geschützt.
Das überirdische Netz hat, wie gesagt, eine doppelte Arboitsleitung, welche Con-
struction sich einem Bügel-Stromabnehmer sehr gut anpasst, für einen Trolley - Strom-
abnehmer practisch nicht ausführbar ist. Der Zweck eines doppelten Arbeitsdrahtes ist:
Beschränkung der Anzahl Speisungskabel unter Beibehaltung ein und desselben Spannungs-
verlustes. Man kann zwar einen Arbeitsdraht von grösserem Durchmesser nehmen, doch
steht dem der Nachtheil gegenüber, dass mit dem stärkeren Arbeitsdraht auch das
Spannen und Regeln der Leitung sich schwieriger gestaltet. Die Gründe und Vortheile,
welche zu einem Bügel-Stromabnehmer geführt haben, mögen kurz hier Erwähnung finden.
Der Bügel bietet eine Contactlläche von + 1,50 m, woraus folgt, dass bedeutende
Abweichungen in der Lage des Arbeitsdrahtes von der Geleismitte zulässig sind. Während
man bei Benutzung eines Trolleys einen Bogen durch ein Vieleck zu ersetzen gezwungen
ist, wodurch eine grosse Anzahl Querdrähte notbwendig ist, kann man bei Verwendung
eines Bügels sich darauf beschränken, den Bogen nur annähernd herzustellen, sodass die
Anzahl Querdrähte und Aufhängepunkte auf ein Minimum beschränkt werden kann.
*) Nach holländischer Quelle.
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