Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIX. Jahrgang.1900

Page: 69
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VI.

Der Betrieb der Lokalbahnen.
Von ipl. Ingenieur Alfred Birk, Eisenbahn-Oberingenieur a. D., Professor an der deutschen technischen
Hochschule in Prag.

Schluss von Seite. 1.

Inhalts - Ueber sicht.
4. Elektrische Wagen: A. Betrieb mit Stromzufülirung, B. Accumulatorenbetrieb, C. Gemischter Betrieb.
5. Rückblick: C. Frachten verkehr; Aussergewöhnliche Verkehrs-Verhältnisse; zweckmässige Fahrpreise
und Frachtsätze. — II. Verminderung der Betriebskosten: a. Centralverwaltung, b. Bahnerhaltung,
c. Stationsdienst. — Schlusswort.

A. Betrieb mit Stromzuf ührung.
Die Zuführung des Stromes von der Centralstation zum Motorwagen kann in ober-
irdischen — Luftleitungen — oder in unterirdisch verlegten Leitungen oder mit Hilfe
einer Mittelschiene erfolgen. Die unterirdische Stromzuführung, die für städtische Strassen-
bahnen mit überaus dichtem Verkehr immerhin eine gewisse Berechtigung hat und unter
Umständen selbst Vortheile bietet, kommt bei Lokalbahnen wohl kaum in Betracht. Nicht
allein, dass sie sich zu theuer stellt, würde ihre Ausführung auch mannigfachen Schwierig-
keiten begegnen, namentlich hinsichtlich der Bahnhofsanlagen etc. Wir sehen datier von
diesem Systeme vollständig ab.
a) Betrieb mit Luftleitung.
Dieses System, das in jeder Beziehung erprobt, betriebssicher und sowohl in der
Anlage, als auch im Betriebe einfach und billig ist, verdient eingehende Erwähnung.
Die elektrische Kraft wird in einer Centralstation erzeugt und in eine längs dem
Geleise auf hölzernen oder eisernen Masten hinziehende Leitung gesendet; aus dieser wird
sie durch eine kleine Kolle — Trolley genannt —, die ein auf dem Wagendache be-
festigter, stark gefedeter Arm gegen den Leitungsdraht drückt, einem Kegler, der
vom Wagenführer bedient wird, und von ihm aus der elektrischen Antriebmaschine des
Wagens zugeleitet. Der Kücklauf des Stromes zu der Stromquelle erfolgt gegenwärtig fast
ausnahmslos durch die Schienenstränge des Geleises.
Die Centralstation wird vortheilkaft im Mittelpunkte des Bahnnetzes liegen.
Es können aber verschiedene Umstände für eine andere Lage derselben entscheidend werden.
Die stromerzeugenden Maschinen müssen bekanntlich durch andere Motoren in Bewegung
gesetzt werden; als solche Motoren dienen bei grossen Kraftanlagen Dampfmaschinen oder
Wassermotoren, besonders Turbinen. Auf die billige Erzeugung der Antriebskraft der
elektrischen Maschinen ist ein Hauptaugenmerk zu richten. Wenn also die örtlichen Ver-
hältnisse gestatten, die Centralstation in Orten mit billigem Brennmaterial oder an einem
kraftspendenden Wasserlauf zu erbauen, so wird man jederzeit genau erwägen müssen, ob
eine solche Anlage in grösserer Entfernung vom Mittelpunkte der Bahn finanziell ge-
rechtfertigt ist. Die Uebertragung der elektrischen Kraft auf weite Entfernungen ist
gegenwärtig eine vollkommen gelöste Frage; es sind verschiedene Arten möglich, bei
Zeitschrift f. Local- n. Strassenbalinen. 1900. 10
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