Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIX. Jahrgang.1900

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DER BETRIEB DER LOKALBAHNEN.

b. Betrieb mit Mittelschienen.
Der Stromleiter bestellt aus einem, innerhalb oder ausserhalb des Gleises angebrachten,
gut isolirten als Leiter wirkenden Schienenstrange, dem der Betriebsstrom durch Gleit-
schuhe oder Rollen, die der Motorwagen trägt, entnommen wird. Als Rückleiter dienen
die Fahrschienen. Das System ist nur bei Bahnen mit eigenem Bahnkörper anwendbar;
aber auch hier sind in den Stationen und an Uebergängen in Schienenhöhe Schutz-
vorkehrungen gegen gefahrbringende Berührung des Stromleiters seitens der Menschen oder
Thiere unerlässlich; so wird z. B. auf der vollspurigen Wannseebahnstrecke Berlin-
Zehlendorf, auf der Siemens & Halske das System eingeführt haben, die BO cm über
der Oberkante der Fahrschienen liegende Arbeitsschiene seitlich mit Schutzbrettern ver-
sehen, zwischen welchen nur ein Schlitz für den Berührungspflug bleibt.
Die Anlagekosten sind bei dieser Betriebsweise billiger als bei der Luftleitung; aber
die Stromverluste sind sehr bedeutende. Das System wird sich daher nur dort empfehlen,
wo sehr billiger Brennstoff zur Verfügung steht oder Wasserkräfte ausgenützt werden
können und die Oberleitung nur mit grossen Schwierigkeiten zu bewerkstelligen ist. Für
Lokalbahnen bescheidenen Charakters dürfte der Betrieb mit Mittelschienenleitung wohl
nicht ernstlich in Betracht kommen; es müssten schon ganz besondere Verhältnisse sein,
welche seine Anwendung beachtenswerth erscheinen lassen.
B. Betrieb mit Aeeuinnlatoreii.
Accumulatoren oder Sammler sind Vorrichtungen, in denen die von einer Elektricitäts-
quelle gelieferte elektrische Kraft unter der Form potentieller, chemischer Kraft auf-
gespeichert werden kann, um zu beliebiger Zeit wieder als elektrische Kraft Verwendung
zu finden. Die Hauptbestandtheile dieser Apparate sind die Elektroden und das Elektrolyt.
Die Elektroden bestehen vorwiegend aus Platten von Blei oder Bleilegirungen und von
gitterförmigem Aussehen, auf welchen die positive beziehungsweise negative Füllmasse —-
Faure, der diese Methode zuerst anwandte, gebrauchte Mennige beziehungsweise Blei-
glätte — aufgetragen wird. Diese Platten werden, abwechselnd an einander gereiht, in
ein Gefäss mit verdünnter Schwefelsäure eingebaut. Ein solcher Apparat heisst „Zelle“,
eine Reihe mit einander geschalteter Zellen heisst „Sammlerbatterie11.*) Die Elektroden
dienen zur Leitung, während die Füllmasse die ihr durch die Elektroden zugeleitete
Elektricität aufspeichert. Verbindet man die geladenen Bleiplatten untereinander, so geben
sie die gesammelte Energie ab, sie entladen sich. Die Gefässe zur Aufnahme der Platten
bestehen aus Glas, Holz oder Hartgummi. Wadell-Entz hat für die Elektroden Kupfer
und Zink angewendet; das System zeigt grosse Capacität bei grosser Entladestromstärke,
doch nur eine geringe Dauer des Ladezustandes. Gegenwärtig sind die Blei-Sammler
wohl noch die weitaus vorherrschenden, weshalb sie auch ausschliesslich besprochen werden
sollen. Es erscheint nothwendig, einige Bemerkungen über ihre Eigenschaften und ihre
Wirkungsweise vorauszuschicken.
Die elektromotorische Kraft eines Blei-Sammlers im geladenen Zustande, in
welchem der Sammler Nutzarbeit zu leisten vermag, beträgt rund 2 Volt; sie sinkt bei
der Entladung, anfangs langsam, später beschleunigt, zum Schlüsse plötzlich; man lässt
sie gewöhnlich bis auf 1,85 Volt abfallen. Die Stromstärke, welche einerseits zum Laden
*) Sehr gute Aufschlüsse über alle diese Fragen giebt das bei Spielbagen & Schur ich in
Wien erschienene Buch Exler’s über die „Grundziige der Elektrotechnik“.
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