Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XIX. Jahrgang.1900

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DER BETRIEB DER LOKALBAHNEN.

wie im Vorhergehenden näher dargelegt wurde. Andere Wege und Mittel sollen im
Nachfolgenden noch Erwähnung finden.
Was die Frachtsätze anbelangt, so ist neben deren Höhe, die in nachdrücklicher
Berücksichtigung aller Concurrenz-Unternehmungen und der Frachtsätze beim Strassen-
transport bestimmt werden muss, auch deren Beweglichkeit von bedeutendem Einfluss. Die
Localbalin-Unternehmung muss und kann viel entschiedener als die Hauptbahn den Stand-
punkt eines Kaufmannes einnehmen, der den Preis seiner Waare den jeweiligen Verhältnissen
anschmiegt, der „mit sich sprechen lässt“ und dort, wo er einen Concurrenten zu befürchten
hat, den Wettbewerb durch kluge Preisforderungen aufnimmt und zu seinen Gunsten zu
wenden sucht. Die Localbahn nimmt allerdings gegenüber der Oeffentlichkeit eine andere
Stellung ein, als der Kaufmann; sie darf einseitige Begünstigungen — grundsätzlich — nicht
gewähren und „Ausnahmetarife“ müssen Allen zu Gute kommen, die unter gleichen Ver-
hältnissen gleiche Mengen zum Transporte bringen. Daraus resultirt auch die Nothwendig-
keit der öffentlichen Bekanntmachung solcher Tarifszugeständnisse. In der Praxis steht
die Sache freilich anders, als aut dem Papiere, und den Localbahnen, wo die Concurrenz
der Verfrachter seltener so ausgeprägt, wie auf Hauptbahnen, auftritt, könnten in den
fraglichen Beziehungen wesentliche Erleichterungen seitens der Regierungen zugestanden
werden. Die Localbalmen müssen den Fluctuationen des Marktes leicht und rasch und
ohne übermässige Beschränkungen folgen können.
II. Verminderung der Betriebskosten.
Unsere bisherigen Betrachtungen haben wohl schon dargethan, dass durch die Ein-
führung des Motorwagens nicht allein eine Belebung des Verkehrs, eine intensivere Erfüllung
der Aufgabe der Lokalbahnen, sondern auch eine bedeutsame Verminderung der Betriebs-
kosten erreicht werden kann. Aber mit der Ausscheidung der Dampflocomotive ist noch
nicht Alles gethan, um die Frage der billigen Betriebsführung bei Localbahnen dauernd
und in bester Weise zu lösen. Diese Lösung verlangt eine kräftige Absage an die ge-
sammte, hergebrachte, den Einrichtungen der Hauptbahnen nachgeahmte Betriebsweise.
Im Gegensätze zu den Hauptbahn-Unternehmungen, die in allen ihren Bestrebungen und
in ihrer ganzen Organisation als grosse kaufmännische Unternehmungen sich darstellen,
nähert sich die Localbahn weit meit mehr dem Character eines kaufmännischen Detail-
geschäftes, einer — sagen wir es klipp und klar, es ist keine Schande — einer Land-
krämerei. Thunliche Vereinigung aller Geschäfte und Arbeiten in wenigen Händen, directer
Verkehr mit den kleinsten Kunden, Einfachheit in der Geschäftsführung, in der ganzen
Geschäftsthätigkeit — darin liegt der Erfolg eines solchen Geschäftes und im Sinne dieser
Thatsache muss auch die Eintheilung des Betriebsdienstes einer Localbahn ausschliesslich
auf dem Grundsätze beruhen: mit Rücksicht auf den geringen Umfang der Arbeiten in
jedem Dienstzweige wo möglich alle zusammenhängenden sich gleichsam zu einer einheit-
lichen Leistung ergänzenden Arbeiten einer einzigen Person zu übertragen, also jeden
Bediensteten auch zu Leistungen zu verpflichten, die sonst von untergeordneten Arbeits-
kräften verrichtet werden. Das mag für den ersten Augenblick eine schwierige Sache
sein; aber die Praxis beweist, dass das Prinzip durchführbar ist.
Auf den Schmalspurbahnen in Sachsen und Schleswig, auf den belgischen Vicinal-
bahnen, auf den Localbalmen Steiermarks und Bayerns hat die Organisation, die wir eben
angedeutet haben und im Weiteren ausführlich besprechen wollen, seit vielen Jahren sich
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