Zeitschrift für das gesamte Lokal- und Straßenbahnwesen — XXI. Jahrgang.1902

Seite: 13
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DAS RECHT ZUR BEFRISTUNG DER STRASSEXBAHNGENEHMIGUNG.

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einrichtungen entspringenden Arbeitsleistungen bat die Gesellschaft aufzukonmien und
zwar unentgeltlich.
Wie man sieht, ist für die Bediensteten in gewiss sehr günstiger Weise vorgesorgt;
es erscheint sonach um so überraschender und lehrreicher, dass trotzdem die Pariser
Metropolitanbahn bereits einmal drei Tage hindurch, nämlich am 29., 30. und 31. Januar
d. J. zufolge einer Arbeitseinstellung gezwungen war, ihren Betrieb zu unterbrechen.
Seitens der Bediensteten wurde verlangt, dass die vertragsmässige Anstellung bereits nach
sechsmonatlicher Probedienstzeit zu erfolgen hätte, und dass für die aussergewöhnliche
Inanspruchnahme während der Ausstellung noch 10°/0 der Bezüge uachgezahlt werden
sollten. Erst nach zähen, langwierigen Verhandlungen und nachdem die Bahnverwaltung
einige Erleichterungen in den Dienstvorschriften, sowie das Versprechen gewährt hatte,
besonders verwendbare Bedienstete schon nach einjähriger Probedienstleistung vertragsmässig
anzustellen, ohne jedoch hierfür eine Verpflichtung zu übernehmen, erfolgte die Wieder-
aufnahme der Arbeit.
Ganz zum Schlüsse möge noch angeführt werden, dass sich im ersten Betriebsjahre (1900)
der Metropolitanbahn die Betriebskosten auf annähernd 42°/0 der 2 694563,45 Francs
betragenden Bruttoeinnahmen stellten, und dass der Reingewinn gerade hinreichte, hinsichtlich
des eingezahlten Capitals von 25 Millionen Francs eine 6°/0ige „Dividende pro rata
feinporig“ zu vertheilen. Mit dem Bau der zunächst zu eröffnenden 10,5 km langen
ebenfalls zumeist unterirdisch verlaufenden, sogenannten Ringlinie „Place de l’lltoile-
Place de la Nation“ wurde bereits im October verflossenen Jahres begonnen und hofft
man, dieselbe ende nächsten Jahres (1902) dem Betriebe übergeben zu können.

II.
Das Recht zur Befristung der Strassenbahngenehmigung.
Von Syndikus Professor Dr. Karl Hilse in Berlin.
Die zur Ertheilung der Bahngenehmigung für Berlin und dessen \oroite beiufene
Bahnaufsichtsbehörde pflegt die Bahngenehmigung bis zum 31. Dezember 1949 zu eitheilen,
ohne sich hierbei darum zu kümmern, ob dieser Zeitpunkt mit demjenigen zusammenfällt,
welchen der Wegeunterhaltungspflichtige für die eingeräumte Wegebenutzung zu bestimmen
beliebt hat. Dieses Vorgehen bat die Missstimmung der Wegeunterhaltungspflichtigen
gefunden und von mehr oder weniger berufener Seite zu verschiedenen Streitschriften*)
sowie Vorträgen in öffentlichen Versammlungen geführt, wobei man sich sogar zu der
Behauptung verstiegen hat, die beregte Gepflogenheit der Bahnaufsichtsbehörde sei gesetz-
widrig. Unter diesen Umständen lohnt sich die Untersuchung der Frage, ob der entbrannte
Sturm gegen die beregte Massnahme und der erhobene Vorwurf des gesetzwidrigen Ver-
haltens auch nur die geringste begründete Unterlage hat. Dies ist zn verneinen.
*) Z. I>. Aehnelt in der Deutschen Gemeindezeitung. Jalirg. XI, S. 171.
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